Gedanken nach Lektion 2 des Schreibkurses

Die zweite Woche und damit auch die zweite Lektion von Creative Writing geht zu Ende. Ich kann mit Stolz verkünden, dass ich nach wie vor am Ball bin und sowohl die Lektion mit viel Spaß durchgearbeitet habe als auch mein Ziel von einer Seite pro Tag für meine Geschichte nicht gerissen habe.

In der zweiten Lektion ging es verstärkt um die Charaktere einer Geschichte, insbesondere die Protagonisten und ihre Gegenspieler. Zunächst nicht um ihre persönliche Entwicklung und die bekannte Heldenreise, sondern darum, ihnen „Fleisch“ zu verschaffen. Was ist ihre Motivation? Ihre Wunden? Ihre Ziele und Konflikte? Was macht sie von einfachen schwarz/weiß Schablonen zu komplexen, mehrschichtigen und vor allem glaubwürdigen Handelnden? Insbesondere haben mir in Lektion 2 die Ausführungen zum benötigten internen Konflikt der Charaktere und ein Fragebogen zum Ausgestalten der Charaktere gefallen.

Ein Ergebnis, was auf Basis von Teilen des Fragebogens entstanden ist, habe ich ja hier veröffentlicht. Egal wie kurz die Geschichte ist oder wie klein die Charaktere in der Gesamtgeschichte sind, eine ausgearbeitete Backstory und ausformulierte Motivationen, Konflikte und Wunden helfen enorm beim Schreiben und Beschreiben der Charaktere und machen ihre Handlungen nachvollziehbarer. Es kann sein, dass die Summe der Charakterbeschreibungen, die man für sich selbst benutzt, bei einer Kurzgeschichte wesentlich länger sind als die fertige Geschichte an sich. Egal ob Roman oder Kurzgeschichte, manche Arbeit im Hintergrund ist immer gleich. Das ist mein größtes Learning in der zweiten Woche.

Die restlichen Übungen zielten mehr darauf ab, ein Gefühl für die Charakterisierung fremder Protagonisten und Antagonisten in den Werken anderer Autoren zu bekommen. Vieles glaubt man, aus dem Kopf heraus analysieren zu können (was treibt Frodo an? Wieso geht Jim Hawkins mit auf Schatzsuche?); aber spätestens, wenn es um die Herausarbeitung ihrer inneren Konflikte und Wunden geht, wird es interessant. Wie hat man dazu bestimmte Eindrücke gewonnen? Welche Textstellen belegen das? Wie hat der Autor das transportiert, ohne es explizit anzusprechen? Wertvolle Literaturrecherche und Textanalyse zeichneten diese Lektion aus.

Nun freue ich mich auf die dritte Lektion. Diese trägt den Titel „Die Struktur der Geschichte“. Wie bisher werde ich hier – wenn möglich – Übungsergebnisse veröffentlichen und resümieren.