Charaktere näher kennenlernen

Dies ist eine der Übungen aus der zweiten Lektion (“Der Kampf der Charaktere”) in meinem Creative Writing Kurs (Hintergrund).

Wie schon angedeutet, hat sich herausgestellt, dass die Übungen in Lektion 2 eher weniger geeignet für eine Veröffentlichung im Blog sind. Zum einen umfassen sie einfach viel Quellenarbeit und tabellarische Aufbereitung und zum anderen würde ich sehr viel aus der Geschichte preisgeben, die ich gerade schreibe. Aber gar nichts veröffentlichen will ich auch nicht. Daher hier die Beschreibung einer meiner Charaktere; die Aufgabe war es, sich anhand eines umfangreichen Fragebogens einen seiner Charaktere vorzunehmen und zu beschreiben. Entstehen soll ein gut vorstellbares Bild des Charakters und seiner Eigenschaften. Elemente der Welt meiner Geschichte (es ist eine fiktionale Welt mit Urban Fantasy und Steampunk-Elementen) werden ebenfalls angedeutet. Viel Spaß beim Lesen!


Mein Charakter heißt Torinha Mazinque; von den meisten einfach Tori genannt.

Sie ist 28 Jahre alt und ist – verglichen mit Gleichaltrigen – nicht besonders auffällig. Man würde sagen: “Sie verhält sich ihrem Alter angemessen”. Sie hat keinen festen Freund und momentan auch kein Interesse an einer festen Beziehung. Sie unternimmt öfter etwas mit Freunden, scheut aber auch keine Abende allein um sich zu entspannen.

Tori ist circa 1,75 Meter groß und hat dunkelbraune Haare, die bis kurz über die Ohren gehen. Die Haare sind glatt und nicht sonderlich behandelt um so auszusehen oder zu fallen, wie sie es tun. Sie ist im Gesicht eher blass. Ihre grünlichen Augen blicken meist etwas skeptisch drein; ihre Nase ist spitz, ihre Lippen schmal. Ihr Körperbau ist von gewöhnlicher Statue – sie legt viele Strecken zu Fuß zurück, ist aber nicht trainiert oder besonders sportlich. Sie kleidet sich nicht besonders feminin: Sie trägt meist eine locker sitzende Jeans und einen einfarbigen Pulli; einfache Sportschuhe runden ihren Look ab. Ein markantes Markenzeichen ist ein angekauter Stift, den sie die meiste Zeit hinter das linke Ohr gesteckt hat sowie ein Notizbuch, was aus ihrer linken Gesäßtasche hervorlugt.

Tori arbeitet als Reporterin bei einer der kleineren Tageszeitungen in Dammstadt, der Hauptstadt der Republik. Sie liebt ihren Job und liebt die Freiheiten, die sie bei der Auswahl ihrer Themen genießt. Nur selten wird sie dazu verdonnert, auf ein heißes Thema mit auf zuspringen und mit den hunderten anderen Tageszeitungen der Megastadt zu konkurrieren. Sie war schon immer eigenwillig in Schreibstil und Themenwahl – was ihren Noten in der journalistischen Akademie nicht gut tat. Daher ist sie froh, in der Stadt eine Stelle gefunden zu haben. Ihre Eltern erzählen in der hunderte Kilometer entfernten Kleinstadt Schirrwindt stolz über ihre begabte Tochter, die in der großen Welt Karriere macht. Wenn die wüssten…

Sie lebt in einem kleinen Ein-Zimmer-Appartement in den unteren Ebenen der Stadt, beinahe auf der Ebene des großen Damms. Eine Gegend in der man sich nachts zweimal überlegen sollte, ob man eine Abkürzung nach Hause läuft oder nicht. Mehrere Male schon hat sie Bekanntschaft mit aggressiven Gruppen und Betrunkenen auf dem Weg nach Hause gemacht – jedoch nie mit ernsthaften Konsequenzen. Es gibt Momente, da sehnt sie sich nach der Geborgenheit ihres Heimatdorfes oder der Zeit in der Akademie zurück und verdrückt die ein oder andere Träne; doch sie hat sich an die Großstadt gewöhnt und sich mit ihrem Leben hier unten arrangiert. Ihr schmales Gehalt macht es leider unmöglich in eine der oberen Ebenen zu ziehen – und um ehrlich zu sein: Hier unten warten die interessanteren Geschichten auf ihre Entdeckung als da oben.

Außerdem hat sie hier unten auch ein paar gute Freunde gefunden. Ihre Kollegen Niq und Cruh sind ihre besten. Die beiden sind gute fünf Jahre älter als sie und haben sie vor etwa sechs Jahren, als sie hier ihre Wohnung bezog und in der Redaktion anfing, mit den Eigenheiten der Stadt bekannt gemacht. Die beiden sind Geschwister und Sohn und Tochter von Toris Chef Herrn Bonkta. Mit ihm kommt sie ebenfalls gut aus; bis auf die Redaktionskonferenzen und vereinzelte Abendessen hat sie aber nicht viel mit ihm zu tun. Beinahe ihr gesamter Bekannten- und Freundeskreis in Dammstadt ist auf Niq und Cruh zurückzuführen. Tori hat außerdem eine gute Freundin aus ihrer Kindheit in der Heimat, mit der sie regelmäßig Rohrpost austauscht; persönlich gesehen haben sie sich schon zwei Jahre nicht. Das Reisen ist gefährlich und kostspielig.

Wenn sie so wütend oder traurig ist, dass sie sich niemandem anvertrauen kann, geht sie auf einen der Dammvorsprünge, von denen sie runter in die Wirrnis schauen kann. Dann stellt sie sich vor, wie es wohl dort unten ist. Zwischen all den vermodernden Pflanzen, dem vergifteten Boden und ständig der Gefahr ausgesetzt, einem dieser violsüchtigen Dämonen zu begegnen. Wenn sie abends hinunter blickt, fasziniert sie das violette Schimmern hunderter Bäche, die sich wie Adern durch das schwarze Land ziehen. Das alles hat eine meditative Wirkung auf sie.

Einmal war sie besonders tief unten und nah an einer der Schleusen des Dammes. Dort wurde sie Zeuge, wie die Wirrnisgänger einen kleineren Dämonen in Schach hielten und letztlich töteten. Ein faszinierender, dreckiger Kampf. Insgeheim hofft sie, so etwas nochmal zu erleben – und am besten für eine ihrer Stories zu verarbeiten. Irgendwann würde sie jemanden finden, der sie bis an den Rand der Wirrnis führt – und vielleicht bis darüber hinaus…