Warum schreibe ich?

Dies ist die erste Übung der ersten Lektion („Über das Schreiben“) in meinem Creative Writing Kurs (Hintergrund).

Es soll ein Essay (750-900 Wörter) geschrieben werden, welcher auf die Fragen eingeht, wann man zum ersten Mal geschrieben hat und warum man schreibt.


Meine ersten Schreiberfahrungen habe ich, wie vermutlich die meisten, in der Schule gesammelt. Und eines kann ich sagen: Ich hatte so gar keine Lust darauf. Meist waren es Aufsätze, Analysen, Zusammenfassungen und nur ganz selten freies oder kreatives Schreiben; und selbst in diesen seltenen Situationen verspürte ich keine große Lust mich auszutoben. Im Nachhinein glaube ich, dass das an den starken Themen- und Genrevorgaben der Lehrer gelegen hat. Mit ganz wenigen Ausnahmen hatte ich nur Lehrer, für die die Wertigkeit einer Lektüre anti-proportional zum Realismus der Geschichte verlief. Es war undenkbar, im Unterricht oder bei der Hausaufgabenkontrolle eine Geschichte zu präsentieren, die viele fantastische oder unrealistische Elemente enthält; aber wie bereits geschrieben: Vieles drehte sich nicht um das Schreiben an sich, sondern um das Rezipieren, Deuten und Werten von vorhandenen (damals enorm langweiligen) Texten. Unterhaltsames habe ich dennoch viel gelesen. Privat. Und ohne viel darüber zu reden. Ich hatte nur einen Freund, der ebenfalls viel gelesen hat (und zwar deutlich mehr als ich), und mit dem ich mich ab und an über Gelesenes austauschen konnte. Ich habe viele fantastische Romane gelesen: In meiner Jugend habe ich alles von Wolfgang Hohlbein verschlungen. Von ihm aus hangelte ich mich zu anderen deutschen und internationalen Fantasy-Autoren. Nach der Fantasy gewann Science-Fiction mein Interesse, gefolgt von Ausflügen in Kriminalromane. Diese Vorlieben sind bis heute so geblieben.

Aber Lesen ist nicht Schreiben und es soll hier ja um letzteres gehen. Ich glaube meine ersten größeren, privaten Schreiberfahrungen habe ich um das Jahr 2000 herum in einem Foren-Rollenspiel im Stargate-Universum gesammelt. In diesem Internetforum schloss man sich einem der zur Auswahl stehenden Völker an und konnte aus Sicht des verkörperten Charakters Beiträge erstellen. In den Unterforen des seines Volkes konnte man den anderen Mitspielern eine eigene fiktive Biographie und eigene Abenteuer zur Verfügung stellen und bekam Rückmeldungen in Form von Beschreibungen von fiktiven Kontaktaufnahmen der anderen Charaktere. So entwickelte sich über die Zeit eine lebhafte, gemeinsame Spielwelt. Währenddessen wurde die Gesamtgeschichte in frei zugänglichen Unterforen weiter geschrieben. Den Mechanismus kann man am ehesten als Debatte zwischen verschiedenen Teilnehmern beschreiben: Eine Startsituation wurde vorgegeben und jeder, der teilnehmen wollte, konnte seine Version der Geschichte innerhalb einer vorgegebenen Zeit posten und zur Abstimmung geben. Die Forennutzer haben dann abgestimmt was in den Kanon der Rollenspielwelt aufgenommen wird. Das war eine interessante Erfahrung.

Eine zweite Begebenheit, an die ich mich gut erinnere, ist das Führen eines handschriftlichen Reisetagebuchs beim Spielen des Videospiels “The Elder Scrolls III: Morrowind”. Ich weis noch, das Ferien waren. Ich hatte ein kariertes DIN A5 Heft und einen Stift neben der Tastatur liegen und hielt akribisch meine Erlebnisse und Entdeckungen Tag für Tag in Form von mehrseitigen Berichten fest. Das war ein sehr intensives Erlebnis, in das ich mich anderthalb bis zwei Wochen hinein gesteigert habe. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich einige Jahre später bei meinen ersten Schritten in “World of Warcraft”: Einem Freund schrieb ich regelmäßig seitenlange E-Mails über die Welt, den Fortschritt meines Charakters und erledigte Aufgaben. Der Spaß am Schreiben von solcher Art von Texten führte 2004 letztlich zur Gründung meines Blogs – der bis heute in veränderter Form noch immer existiert.

Gefühlt trat das regelmäßige Schreiben während meines Studiums einige Jahre in den Hintergrund, bis ich das Hobby der Pen&Paper Rollenspiele für mich entdeckt habe. Das Spielen von vorgefertigten Abenteuern machte mir nicht so recht Spaß und bei der Vorbereitung tat ich mich schwer, wenn mir das zu Grunde liegende Szenario und die auftretenden Charaktere nicht gefielen oder ich ihr Handeln nicht nachvollziehen konnte. So wandelte ich die vorhandenen Beschreibungen zunächst ab und begann schließlich das Schreiben eines eigenen, größeren Szenarios für das “Call of Cthulhu” Rollenspiel. Ein Prozess, der sich lange hinzog und zwischendurch pausierte, aber letztendlich Ende 2016 im ersten von zwei Spielabenden mündete. Ich fühlte mich unglaublich wohl, konnte in meinem eigenen Szenario frei und einfach improvisieren und zusammen mit den Spielern zwei schöne Abende bzw. circa 13 Stunden verbringen. Die dort erlebte Geschichte und entwickelten Charaktere bildeten den Auftakt zu einer mehrjährigen Kampagne.

Doch ich habe beim Schreiben für das Rollenspiel auch viel gelernt: Abenteuer schreiben bedeutet nicht, eine Geschichte zu schreiben (denn die entwickelt sich am Spieltisch); Abenteuer schreiben bedeutet nicht, den Charakteren der Spieler irgendwelche Handlungen und Gedanken aufzuzwingen; Abenteuer schreiben bedeutet, dass die Geschichte ganz anders ist, als man vorher dachte. Und da ich aber viele Ideen habe, wie die Geschichte sein könnte, will ich diese trotzdem festhalten. Was allen beschrieben Begebenheiten gleich ist: Ich sehe das Schreiben als Möglichkeit mich mitzuteilen, meine Gedanken und Kreativität mit anderen zu teilen und sie daran teilhaben zu lassen. Ich will abtauchen in eigene Welten, mir überlegen “Was wäre wenn?” und dann den Gedanken freien Lauf lassen.

Und darin will ich besser werden.