Ein gutes Buch gehört gelobt…

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Dies ist die dritte Übung aus der ersten Lektion (“Über das Schreiben”) in meinem Creative Writing Kurs (Hintergrund).

Hier soll ich – unter Einbeziehung von Textstellen – ein unformales, kurzes Lob auf ein Buch schreiben, welches mich besonders beeindruckt oder meine hoch gesteckten Erwartungen erfüllt hat.

Nachdem ich die ersten beiden Teile der Königsmörder-Trilogie gelesen habe, war ich ewig auf der Suche nach einem auch nur ansatzweise gleichwertigen Roman, der die entstandene Leere aufzufüllen vermochte. Ich habe Foren durchstöbert, Buch-Communities befragt, ja sogar Facebook-Gruppen konsultiert und habe trotzdem lange Zeit kein Buch gefunden, was mich zu fesseln vermochte. Doch dann kamst Du, Vaelin al Sorna.

“Er besaß viele Namen. Das dreißigste Lebensjahr hatte er noch nicht erreicht, und doch war er im Lauf der Geschichte mit Titeln bereits reich beschenkt worden: Das Schwert des Königs hieß er für den wahnsinnigen Herrscher, der ihn als Geißel zu uns sandte; der junge Falke für die Männer, die ihm in die Wirrnisse des Krieges folgten; Dunkelklinge für seine cumbrealischen Feinde und, wie ich viel später herausfinden sollte, Beral Shak Ur für die geheimnisvollen Stämme des großen Nordwaldes – der Rabenschatten.”

“Das Lied des Blutes” von Anthony Ryan

Erzählt wird in “Das Lied des Blutes” die Geschichte dieses Mannes. Von seiner Kindheit, Ausbildung, seinem Erwachsen und seinem Scheitern. Wenn man es so nennen kann. Das erste Buch der Rabenschatten-Trilogie habe ich hier nicht nur zur Vorstellung gewählt, weil es der Beginn der Erzählung ist, sondern vor allem weil es das Hauptaugenmerk auf die Adoleszenz und Ausbildung des Protagonisten legt – als Rückblick eingebettet in eine Rahmenhandlung aus der eigentlichen Zeitebene. Ich liebe die detaillierte Beschreibung seiner Trainingszeit in der Akademie, seines Verhältnisses zu seinen Mitstreitern und Lehrmeistern und seiner inneren Gefühlswelt. Wie schon Kvothe in “Der Name des Windes” ist Vaelin al Sorna kein Held von der Stange. Er ist kein Alleskönner oder jemand, der immer richtig entscheidet. Er macht Fehler, trifft falsche Entscheidungen und ist ein Charakter, der sich und seine Macht mit Vorsicht erforscht und zweifelt und hadert.

“’Es wäre falsch gewesen, ihn leiden zu lassen. Das hätte dem Glauben widersprochen.’, […] ‘Wir können uns lediglich fragen, ob wir im Namen des Glaubens Unrecht getan haben’, sagte Sherin. ‘Hast du das, Vaelin?’ / ‘Ich habe Männer getötet, Männer, die ich nicht einmal kannte. Manche waren Verbrecher oder Meuchelmörder, kriminelles Gesindel. Aber manche, wie die verblendeten Fanatiker in dieser Burg hier, waren Männer, die einfach nur einem anderen Glauben folgten. Und die vielleicht leicht meine Freunde hätten sein können, wenn wir uns unter anderen Umständen begegnet wären.”

“Das Lied des Blutes” von Anthony Ryan

Ambivalente, graue Charaktere – kein schwarz/weiss und Gut/Böse. Eine interessante Handlung und eine Welt, die man erkunden will. Keine peinlichen Klischees und ausgelutschte Stereotype. Keine klassische, sondern moderne Fantasy. All das, was ich bei Rothfuss, Martin, Hobb lieben gelernt habe, habe ich hier bei Ryan wiedergefunden. So darf – nein: Muss! – Fantasy heutzutage geschrieben sein. Danke für das Erlebnis!