Rollenspiel-Jahresrückblick

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2020 war das zweite Jahr, in welchem ich über meine Spieleaktivitäten Buch geführt habe. Insbesondere habe ich einige Daten im Bereich der Pen & Paper Rollenspiele erhoben. Bei den klassischen Brettspielen gestaltete sich das schwieriger, da ich hier ganz viele verschiedene Exemplare (an-)gespielt habe. Daher habe ich dort nur meine laufenden, festen Kampagnenrunden erfasst: Das waren 13 Runden Gloomhaven (leider auf Grund der Corona-Pandemie eine deutlich geringere Anzahl an Sessions als im Vorjahr, dort waren es noch 27) und 5 Runden Imperial Assault, was erst im Herbst startete und leider ebenfalls von der Pandemie hart torpediert wurde. Ausserdem habe ich in diesem Jahr mit Freunden und Bekannten an drei Online-Kneipenquizzes und an fünf Online Escape Rooms teilgenommen.

Ein typischer Rollenspielabend im Jahre 2020

Aber ich will mich hier ja auf die Rollenspiel-Runden konzentrieren und da gab es gegenüber dem Vorjahr einen starken Anstieg der Sessions zu verzeichnen. Die erste Runde 2020 war ein Abend unserer Call of Cthulhu Runde zur Königsdämmerung-Kampagne am 04.01.2020, die letzte Runde war mit der gleichen Besetzung eine Episode aus The Fall of London von Vampire V5 am 21.12.2020. Insgesamt habe ich, egal ob als Spieler oder als Spielleiter, 2020 an 53 Spielrunden teilgenommen. Das ist im Schnitt ziemlich genau eine Runde pro Woche. In diesem Jahr gab es eine große Änderung in der Art und Weise wie gespielt wurde: Auf Grund von Corona und auf Grund von Umzügen einiger Mitspieler fand die überwiegende Mehrzahl an Sessions online statt. Konkret bedeutet dies satte 86% Remote-Spiel gegenüber 14% persönlicher Treffen.

Die Mehrzahl der Spielrunden fand online statt. Während des laufenden Jahres wechselten wir in unserer Dungeons & Dragons Runde von Roll 20 nach Foundry VTT.

Neben der Frage “Wo wurde gespielt?” ist auch die Frage “Wann wurde gespielt?” interessant. Klar erkennbar ist der langsame Start nach der Winterpause und der Anstieg der Rundenanzahl parallel zum Start der Pandemie. Ebenfalls zu erkennen ist der August mit der geringsten Anzahl an Runden; zu diesem Zeitpunkt hatte ich privat sowie beruflich einiges um die Ohren und habe die Freizeitaktivitäten daher auf ein Minimum beschränkt. Der stärkste Monat ist mit ganzen sieben Spielrunden der April, dicht gefolgt vom Juni und November mit jeweils sechs Runden.

Die Anzahl der Spiele-Sessions pro Monat

Neu erfasst habe ich dieses Jahr auch die Dauer der einzelnen Sessions. Diese sind jeweils gerundet auf halbe Stunden und sind mal mehr und mal weniger genau. Manchmal sind Essenspausen mit drin, manchmal nicht. Aber genauer wollte ich es nicht tracken, das wäre sonst in Arbeit ausgeartet :).

Die Anzahl der Sessions (y-Achse) aufgeschlüsselt nach ihrer Dauer (x-Achse)

Die meisten Sessions bewegten sich in ihrer Dauer zwischen drei und vier Stunden. Die durchschnittliche Länge einer Session lag bei ungefähr dreieinhalb Stunden. Dies ist wenig überraschend, denn ich habe das vergangene Jahr vorwiegend unter der Woche abends gespielt. Die Ausreißer nach oben mit mehr als fünf Stunden sind besondere Events oder Termine am Wochenende gewesen. Sowohl die achteinhalb- als auch die neuneinhalb-stündige Session waren persönliche Treffen unserer Dungeons & Dragons Runde. Rekordhalter ist unser Dungeon Nerds Burger-Event vom 07.03.2020, bei dem das Rollenspiel gekonnt mit Pommes, selbstgemachten Burgern vom Grill und einem grandiosen Nachtisch verbunden wurde.

Beim Burger-Event waren die Bösewichte der Schwertküste nicht das einzige, was unsere Helden mühelos verspeisten

Jetzt habe ich schon diverse Systeme wie Call of Cthulhu und Dungeons & Dragons erwähnt, aber wie verteilen sich die Sessions auf diese Systeme und was habe ich noch so gespielt? Im Grunde habe ich drei regelmäßig spielende Gruppen: Die erste wechselte nach Abschluss der Königsdämmerung-Kampagne von Call of Cthulhu nach Vampire V5 und macht dort London unsicher; die zweite Gruppe verkörpert eine wandernde Schausteller-Truppe in Aventurien, die es mit dem Gesetz nicht so genau nimmt; und die dritte Gruppe wagt sich in Dungeons & Dragons hinab in die Hölle, um der Schwerküste Frieden zu bringen. Aber wie die Grafik zeigt, habe ich auch einige One Shot Abenteuer gespielt bzw. geleitet.

Gespielte Systeme des vergangenen Jahres

Mit 43% ganz klar führend ist hier Dungeons & Dragons (5E), welches beinahe wie ein Uhrwerk alle zwei Wochen regelmäßig stattfand und nur im Sommer zeitweise strauchelte. Ein System, was ich inzwischen sehr lieb gewonnen habe und auch irgendwann einmal selber leiten will; aktuell bestreite ich das Abenteuer mit meinem menschlichen Zauberer Quenton.

An zweiter Stelle liegen ziemlich gleich auf die ebenfalls schon angesprochenen Systeme Call of Cthulhu (siebte Edition), Das Schwarze Auge (fünfte Edition) und Vampire: The Masquerade (fünfte Edition) mit sechs bis acht Sessions. Bei denen bin ich als Spielleiter (/Bewahrer/Storyteller) aktiv. Neu dabei ist Vampire, welches aktuell Cthulhu in einer Stammrunde ersetzt hat. Die World of Darkness ist wahnsinnig faszinierend und steht in Sachen Düsternis auf einem ähnlichen Level. Auch die Entwicklungen in der DSA-Gruppe finde ich sehr begrüßenswert: Die Gruppe hat sich in dem von mir eher offen gestalteten Szenario immer besser eingefunden und den Charakteren stetig mehr Dynamik verliehen.

Mit Hilfe von One Shots habe ich einige neue Systeme sowohl als Spieler als auch Spielleiter kennengelernt. Die für mich schönste Entdeckung ist die Apocalypse World bzw. Powered by the Apocalypse (PbtA), welches erzählerisches Spielen fördert und mit auf das Setting angepassten Spielzügen schnelles Spiel ohne viel Regelkunde ermöglicht. Perfekt für einige Runden zwischendurch. So tief die schwere See bediente darüberhinaus ein herrlich unverbrauchtes Setting – irgendwann kehre ich damit nochmal in die Hebriden zurück und erlebe ein weiteres Abenteuer. Zwei Ausflüge in Richtung Science-Fiction und Cyberpunk gab es mit Shadowrun (fünfte Edition) und einer Runde How to be a Hero mit angepassten Regeln und in der Welt von Cyberpunk RED. Außerdem habe ich dieses Jahr zweimal mit völlig unbekannten Menschen gespielt: Zwei Runden Dungeon Crawl Classic auf Online-Messen haben mich überzeugt, das doch mal häufiger auszuprobieren.

Meine Rolle in den Spielrunden; ich habe 24 mal geleitet und 29 mal einen Charakter gespielt

Zu guter Letzt will ich nochmal einen Blick auf meine Rollenspiel-Vorsätze aus dem letzten Jahr werfen, die ich im Tanelorn veröffentlicht habe. Ich wollte…

  • … meine CoCKönigsdämmerung Kampagne abschließen und mich am liebsten mit der gleichen Spielgruppe den Masks of Nyarlathotep widmen.
  • … mein eigenes Duisburger CoC-Abenteuer Schacht ins Ungewisse soweit bearbeiten, dass ich es veröffentlichen / zum Download anbieten kann.
  • … bei meinen Gruppen als SL bei OT-Gelaber oder Handy-Spielereien etwas härter durchgreifen.
  • … die Frequenz der Runden mindestens beibehalten.
  • … mindestens jeweils ein Abenteuer in Dungeon Crawl Classics und Vampire: The Masquerade V5 spielen.

Alles in allem würde ich dieses Jahr diesbezüglich als Erfolg vermerken, auch wenn vereinzelt was fehlt: Königsdämmerung wurde abgeschlossen, Schacht ins Ungewisse wurde zumindest für eine kostenlose Veröffentlichung hier im Blog vorbereitet, durch die Remote-Sessions gab es automatisch weniger Nebenschauplätze beim Spielen, die Frequenz der Runden ist mindestens gleichgeblieben und ich habe sowohl Dungeon Crawl Classics als auch Vampire: The Masquerade angespielt – aus Vampire wurde sogar ein längeres Engagement :).

Was habe ich mir also für 2021 vorgenommen? Ich habe mir die Messlatte hier persönlich etwas höher gesetzt:

  • Ein eigenes Abenteuer für So tief die schwere See vorbereiten und leiten
  • Eine Con-Runde (egal ob online oder offline) leiten
  • Im neu erscheinenden Stargate RPG eine Runde leiten oder spielen
  • In meinen drei Stammrunden weiterhin regelmäßig spielen
  • Die Kampagnen-Tagebücher für meine Spielrunden konsquent weiterführen und mehr Rollenspiel-Content auf meinem Blog veröffentlichen.

Ich hoffe ihr habt ein wenig Gefallen an den ganzen Zahlen, Daten und Fakten gefunden – ich hatte auf jeden Fall viel Spaß beim zusammenschreiben und mir wurde klar, dass in diesem ätzenden Jahr nicht alles schlecht war. Guten Rutsch! 🙂