Diesmal etwas von abseits des Mainstreams: Remake einer Visual Novel aus Japan für die Playstation Vita; für Fans von Spielen wie etwa Nine Hours, Nine Persons, Nine Doors oder Virtue’s Last Reward. In Danganronpa: Trigger Happy Havoc begleitet man den Schüler Makoto Naegi zu einer Aufnahmeprüfung an die Hochbegabten-Schule Hope’s Peak. Als er und die vierzehn weiteren Prüflinge die Aufgabe zu sehen bekommen, halten sie diese auf Grund ihrer Absurdität zunächst für einen psychologischen Test: Sie alle seien Schüler auf Lebenszeit und wer seinen Abschluss machen und die Schule wieder verlassen wolle, müsse einen seiner Mitschüler umbringen ohne als Täter entlarvt zu werden. Schnell merken die sehr unterschiedlichen Charaktere, dass es alles andere als ein mentaler Test ist. Die Schule ist abgeriegelt, kein Lehrpersonal ist zu finden und Kameras beobachten ihr gesamtes Tun. In diesem Saw-ähnlichen Setting meldet sich zwischendurch ein sprechender Teddybär namens Monokuma über Videonachrichten zu Wort. Wäre die Situation der Probanden nicht schon schlimm genug, säht er noch weiter Zwietracht zwischen ihnen und droht überaus makabere Strafen an.

In diesem Spiel werden keine Gefangene gemacht, bereits kurz nach Spielbeginn wird das erste Opfer gefordert. Der daraufhin ekstatische Teddybär will in Folge den Mörder genannt bekommen. Wird der wahre Mörder überführt, wird er getötet, andernfalls kommt der wahre Täter ungeschoren davon. Doch damit nicht genug: Man selber steht natürlich auch als Verdächtiger im Raum und muss nun alles daran setzen, sich selber zu entlasten und dem wahren Täter auf die Spur zu kommen. Dazu bedient man sich zweier klassischer Mechaniken aus dem Adventure-Genre: Absuchen des Bildschirms und aufmerksames Verfolgen der Dialoge. Eine Besonderheit ist der Prozess, der nach dem Abschluss aller relevanten Untersuchungen abgehalten wird. Gesammelte Spuren und Hinweise müssen wie Munition geladen werden und über ein Fadenkreuz auf Falschaussagen abgeschossen werden. Erspielbare Boni erhöhen später beispielsweise die Anzahl der erlaubten Fehlversuche oder die maximal auf einmal ladbaren „Patronen“. Sind alle Untersuchungsergebnisse abgefeuert, muss der Beschuldigte in einem Eins-zu-eins Gespräch durch schnelles Argumentieren überführt werden. Am Ende hat man optimalerweise den gesamten Tathergang in einem Comic nachgestellt. Passt alles zusammen, folgt die Verurteilung und Hinrichtung des Täters.

Dieses Spiel wiederholt sich in verschiedenen Variationen mehrmals; zwischendurch erfährt man immer mehr Privates von den anderen Personen, sie brechen sehr schnell aus ihren Stereotypen aus und offenbaren Makoto mitunter ihre Ängste und Sorgen, spinnen aber auch Intrigen und legen falsche Fährten. Menschenkenntnis ist gefragt, wenn man die ehrlichen Personen ausmachen will. Doch die clever geschriebenen Dialoge dienen nicht nur zum Vorantreiben der Story, sondern bieten auch die Möglichkeit, sich Fähigkeiten der Charaktere selber anzueignen. Beispielsweise rhetorische Tricks oder selbstsicheres Auftreten, was Makoto bei den Verhandlungen sehr hilft. Je mehr Morde geschehen und je tiefer man das Schulgebäude erforscht, desto mehr erfährt man über den Sinn und Zweck dieses morbiden Spiels und den scheinbar verrückt gewordenen Teddy.

Alles in allem, möchte ich hier mal wieder eine große Empfehlung aussprechen. Abgesehen von der fehlenden deutschen Lokalisierung (japanische und englische Texte und Sprachausgabe sind verfügbar) habe ich bei dieser Visual Novel wenig zu kritisieren. Für Leute, die gerne mal einen Blick über ihren Tellerrand werfen wollen, ist Danganronpa durchaus geeignet; wer allerdings von Mystery-Thrillern, morbidem Humor und eindeutiger Gewaltdarstellung abgeturnt ist, dem empfehle zuvor die Sichtung von einigem Bewegtbild bei zum Beispiel Youtube.