Stay Forever in der Stadtbibliothek Köln

Ich höre schon seit vielen Jahren den wunderbaren Podcast Stay Forever von den beiden ehemaligen Gamestar-Redakteuren Gunnar Lott und Christian Schmidt. Auf Grund ihrer sehr erfolgreich verlaufenden Patreon-Kampagne, machten sie ihren Fans im Juli einen oft geäußerten Wunsch wahr und gingen auf eine kleine Live-Tour durch Deutschland. Köln war am vergangenen Freitag die fünfte von insgesamt sieben Stationen und ich war dabei.

Mit der Stadtbibliothek Köln nahe des Neumarkts und der Schildergasse haben die beiden Podcaster einen durchaus nicht alltäglichen Ort für derartige Veranstaltungen gewählt – dachte ich zumindest. Wie die knapp 150 Zuschauer im komplett gefüllten Veranstaltungssaal schon zu Beginn der Veranstaltung erfuhren, ist dafür die Event-Reihe geeks@cologne verantwortlich. Unter diesem Titel organisiert die Stadtbibliothek Köln seit 2012 diverse Events und Workshops zu den Themen Technologie, Netzkultur und Games. Eine großartige Sache, wie ich finde!

Nachdem Gunnar Lott und Christian Schmidt die Bühne betreten hatten und die etwas verhaltene Stimmung in den ersten fünfzehn Minuten gut zu lockern vermochten, begann ein Feuerwerk an persönlichen und beruflichen Anekdoten der beiden. Die Bedeutung von Computerspielen in ihrer Kindheit und Jugend und das unterschiedliche Herangehen der beiden an Spiele – besonders eindrucksvoll an einem Sarkophag-Rätsel eines Textadventures verdeutlicht – nahmen einen großen Teil der knapp 90-minütigen Show ein. Auf dem Sarkophag-Rätsel aufbauend, gingen die Podcaster auf weitere absurde Rätsel aus Spielen wie z.B. A Hitchhiker’s Guide to the Galaxy (Erlangen des Babelfisches) oder The Longest Journey (Angeln eines Items aus einem Brunnen) ein.  Erzählungen von Gunnars Erfahrungen als spieleaffiner Vater mit seiner Tochter und Ausführungen zu Christians Spielesammlung (die langsam aber sicher das gesamte Haus der Eltern einnimmt) rundeten zusammen mit einem Publikumsquiz und gespielten Spiele-Pitches zu Pacman in verschiedenen Jahrzehnten von den Achtzigern bis heute den unterhaltsamen Abend ab. Außerdem gab es für einige Leute Gratispizzen vom Sponsor – den Entwicklern des „natürlich besten Pizzaspiels der Welt“ ;-).

Am Ende standen die beiden auch noch für Fotos und Autogramme am Merchandise-Stand bereit. Ein schöner Abend unter Gleichgesinnten!

Schlimmer als Jan Böhmermann

Gestern war ich im Duisburger Grammatikoff, bei Jan Böhmermann. Live, ohne Kameras, Auftakt seiner „Schlimmer als Jan Böhmermann“-Tour. Ich hatte ein wenig Angst, da ich nicht wusste was ich mir unter einer Solo-Bühnenshow von ihm vorstellen sollte. Keine Anrufer wie damals in der LateLine, kein mit Technik ausgestattetes Studio wie im NEO MAGAZIN und auch kein schlagfertiger Co-Moderator an seiner Seite wie in Sanft und Sorgfältig. Böhmermann pur war die Devise.

Und ich wurde nicht enttäuscht – ein grandios aufgelegter Jens Böhnemann, ein super Publikum und eine angenehme Mischung aus vorbereiteten Videos, Lesung von Texten, Standup, Musical, Gesang, Anekdoten aus der Fernsehwelt und Improvisation. Eine Live-Version von PRISM is a Dancer mit dem Publikum war auch dabei. Auch wenn einige Clips und Texte bereits aus anderen Formaten in leicht anderer Form bekannt waren, waren sie sehr unterhaltsam – und mitunter sehr schwarzhumorig und provokant, ironieresistente Menschen hätten allen Grund gehabt sich aufzuregen.

Die ganz große Stärke ist die Interaktion mit dem Publikum und darauf ließ sich Dörnemann auch gerne ein und frotzelte auch zwischendurch immer wieder gegen das Publikum und die Stadt Duisburg. Letzteres war sehr erfrischend: Immer wieder ging er auf die Stadt ein und performte speziell auf den Veranstaltungsort zugeschnitten (Bürgermeister-Historie, Loveparade, Ruhrgebiet, Stadtbild, etc.). Die Einlassungen mit dem Publikum führten schließlich soweit, dass der erste Teil des Abends ganze neunzig Minuten ging – und der zweite beinahe auch. Knapp drei Stunden grandiose Unterhaltung!

Weniger interessant könnte die Show für Menschen gewesen sein, welche die „Medienszene“ – vor allem das Internet und die sozialen Medien – nicht tagesaktuell verfolgen. Viele Namen und versteckte Anspielungen könnten so verloren gehen. Das war gestern aber nicht der Fall, das Publikum war an diesem Abend sehr gut aufgelegt – dazu beigetragen haben mag die Video-Ansprache von William Cohn, welcher das Publikum vorab instruierte und aufforderte sich aktiv einzubringen. Einspieler von Olli Schulz gab es übrigens auch – wie sie Olli Schulz während seiner letzten Tour umgekehrt auch zeigte, schöne Sache ;-).

Auch wenn viele Veranstaltungsorte bereits ausverkauft sind, empfehle ich jedem (der auf diese Art von Humor steht) diese Tour zu besuchen.