Es war in Zeiten des Kickstarter-Hypes – ausgelöst durch Tim Schafer und sein Broken Age Adventureprojekt – als sich Martin Wallace die Kurzgeschichte A Study in Emerald von Neil Gaiman zum Vorbild für ein Brettspielprojekt nahm. Nach einer erfolgreichen Finanzierungsphase ist das Spiel nun schon seit längerem für alle Interessierten bei Treefrog Games zu kaufen.

A Study in Emerald vereint Sherlock Holmes mit dem Cthulhu-Mythos; oder vielmehr: Verwebt die beiden Welten von Doyle und Lovecraft. Das erste Mal erschienen ist die Kurzgeschichte in der Geschichtensammlung Shadows Over Baker Street: New Tales of Terror. Die Geschichte ist mittlerweile als PDF kostenlos veröffentlicht worden. Als großer Fan von beiden Welten und Liebhaber von Spielen wie Arkham Horror, war ich Unterstützer der Kickstarter-Kampagne und kann nach einigen Spielrunden nun auch endlich meinen Senf zu Martin Wallaces Spiel abgeben.

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In dem Spiel verkörpern die zwei bis fünf Spieler klassische Detektive nach dem Vorbild von Sherlock Holmes. Zusätzlich bekommen sie zufällig eine Rolle zugeorndet. Die Rolle eines jeden Spielers – „Restorationist“ oder „Loyalist“ – ist den anderen Mitspielern unbekannt. Erstere kämpfen in einem Untergrundkrieg gegen die Großen Alten, welche zum Zeitpunkt des Spielgeschehens bereits die Menschheit korrumpiert haben; Letztere setzen sich für den Erhalt des momentanen Zustandes ein. Je nach Seite, für die man kämpft, erhält man Siegpunkte für unterschiedliche Aktionen. Der Großteil des Spiels besteht aus dem Zusammenstellen von Kartendecks und dem Einnehmen von möglichst vielen Gebieten auf der Spielbrett, welches eine schön verzierte und leicht abgewandelte Karte Europas aus dem neunzehnten Jahrhundert darstellt.

Aus den Aktionen der Mitspieler kann man auf deren Rolle schließen. Hier kommt die brisante Siegbedingung ins Spiel: Wenn das Spiel beendet ist (dies kann auf unzählige Arten – wie etwa das wahnsinnig werden der einzelnen Spielfiguren, den Tod wichtiger Spielpersonen durch Auftragsmord oder das Erreichen einer bestimmten Punktzahl – geschehen), wird zunächst die Gewinnerseite (Restorationist oder Loyalist) durch das Zusammenzählen aller zugehörigen Spielerpunkte ermittelt. Der eigentliche Gewinner ist derjenige, der auf der Gewinnerseite die meisten Punkte vorzuweisen hat. Man darf also nicht nur blind gegen alle spielen, sondern muss klug antizipieren, wer auf der gleichen Seite sein könnte wie man selber und daher auch Punkte ansammeln sollte. Diese Spieler dürfen jedoch auch nicht zu sehr unangetastet bleiben, da sie sonst mehr Punkte als man selber ansammeln könnten und einem dem Sieg wegschnappen. Einen zusätzlichen Kick bietet die Möglichkeit Doppel- oder Tripelagent (wird zufällig zugelost) zu sein und so die anderen auf eine falsche Fährte zu locken.

Die Möglichkeiten sind vielfältig, das Spiel komplex. Die kompletten Regeln gibt es ebenfalls online in einem PDF nachzulesen. Eine Spielrunde dauert ungefähr neunzig Minuten – die ersten Male erfahrungsgemäß gut dreißig bis sechzig Minuten länger. Ein meiner Meinung nach großartiges Spiel mit hohem Wiederspielwert.