Dank meines gerade begonnenen Urlaubs, habe ich die Zeit gefunden, alle meine laufenden Spieleprojekte zu beenden – neben Dark Souls 2 und dem zweiten Teil von Baphomets Fluch 5 war vor allem das vermutlich weniger bekannte Blackwell Epiphany ein tolles Spielerlebnis. Das auf Retro-Look getrimmte Adventure von Wadjet Eye Games ist das Finale einer fünfteiligen Reihe über das junge Medium Rosangela Blackwell und ihren geisterhaften Begleiter Joey Mallone. Da mir das alles sehr gut gefallen hat, will ich euch hier ein bisschen neugierig machen. Allen, die meiner Empfehlung am Ende des Eintrags folgen, sei gesagt: Spoiler sind in diesem Text nicht vorhanden.

Wer sich nach dem Anschauen des Trailers an Spiele wie das wundervolle Ghost Trick oder das weniger gute Beyond: Two Souls erinnert, irrt nicht. Thematische Ähnlichkeiten sind durchaus vorhanden, jedoch setzt die Blackwell-Reihe vollkommen auf klassisches Point-And-Click mit ausgeklügelter Story und verzichtet auf jegliche Gameplay-Experimente – das freie Wechseln zwischen den beiden spielbaren Charakteren ist dahingehend schon das Höchste der Gefühle. Das Writing von Dave Gilbert ist besonders hervorzuheben – die Charaktere sind vielschichtig, haben ein glaubwürdiges Verhalten; die Geschichte folgt lose einem immer sichtbaren roten Faden ohne dabei schlauchartig zu wirken oder andererseits zu weit zu mäandern. Trotz des mitunter ernsten und bedrückenden Settings, entsteht – vor allem auf Grund der sehr lebendigen Beziehung zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Hauptcharakteren – eine ganz eigene, unterhaltsame Dynamik. Ebenfalls einen großen Teil steuern die gut ausgewählten Sprecher und die stimmungsvollen Hintergrundgrafiken dazu bei.

Im ersten Spiel der Reihe – The Blackwell Legacy – erfährt die junge Schriftstellerin Rosangela Blackwell vom Tod ihrer einzigen Verwandten. Als wäre das nicht genug, befindet sie sich auch noch mitten im Verfassen eines Berichtes über einen Selbstmord-Fall im nahen Studentenwohnheim. Angesichts der Ereignisse ist Rosa schon den gesamten Tag sehr aufgekratzt und hat starke Kopfschmerzen. Am Abend dieses Tages lernen wir den eigentlichen Grund dafür kennen: Ein Geist namens Joey Mallone taucht in ihrem Apartment auf und eröffnet der verdutzten Rosa, dass er vor dem Ableben ihrer Tante mit eben dieser zusammen ruhelosen Geister half, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Wie die Verstorbene sei auch Rosa ein Medium, bestimmt als Nachfolgerin ihrer Tante. Widerwillig akzeptiert sie die Erklärungen und nimmt die Arbeit an dem Fall des Mädchens, das Selbstmord begangen hat, wieder auf. Die folgenden Teile der Blackwell-Reihe erzählen – bis auf Blackwell Unbound, welcher ein Prequel ist und von der Zusammenarbeit von Joey und Rosas Tante erzählt – weitere Szenen aus den Ermittlungsgeschichten von Rosa und Joey. Um die Begegnungen mit anderen Medien und einer Reihe ungewöhnlicher Geister entspinnen sich so relativ schnell mehrere rote Fäden als Haupthandlung der Reihe.

Und diese wurden nun im fünften Teil Blackwell Epiphany zusammengeführt. In meinen Augen ist es nicht nur ein gutes, sondern ein perfektes Ende für die Serie. Spannend, wendungsreich und vor allem logisch! Ich bin momentan einfach nur glücklich, dass ich nach einer Menge schwächerer Adventures in letzter Zeit (siehe zum Beispiel meinen letzten Blogpost) nicht enttäuscht wurde. Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die auf gute Geschichten und Adventure-Spiele stehen.

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