Jane Jensens neues Spiel enttäuscht

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Eine der größeren Kickstarter-Kampagnen für Adventures war im Jahre 2012 die von Jane Jensen – verdientermaßen vielgelobte Schreiberin der Gabriel Knight Spiele. Ihr neues Studio Pinkerton Road, nach dem Kickstarter Erfolg aus dem Boden gestampft, hat nun das erste von mehreren angekündigten Projekten fertig gestellt und veröffentlicht. Es handelt sich um das Adventure Moebius: Empire Rising. Augenscheinlich ein Nachfolger im Geiste der Gabriel Knight Spiele, enttäuscht es mich leider sowohl aus technischer als auch spielerischer Sicht.

Man verkörpert den jungen Kunsthändler Malachi Rector, welcher nicht nur über viel Geld sondern auch über einen überdurchschnittlich hohen IQ verfügt. Er ist alles andere als ein sympathischer Zeitgenosse: Besserwisserisch, unnahbar und arrogant sind noch nettere Umschreibungen für sein Verhalten gegenüber anderen. Im Laufe des Spieles wird sich dieses Bild aber noch ändern und wir lernen auch eine verletzliche Seite von ihm kennen, die vor allem von einem schlimmen Unfall seiner Mutter in seiner Kindheit her rührt. Der geniale Verstand von Malachi ist allerdings weit über sein direktes Umfeld hinaus bekannt; so wird schließlich der mysteriöse Amble Dexter und seine Organisation FITA auf ihn aufmerksam und heuert ihn zur Untersuchung eines Mordes in Venedig an. Während des Spieles verschlägt es uns als Spieler nicht nur nach Venedig, sondern zu vielen Stationen in Europa und Afrika. Gemäß der namensgebenden Möbius-Theorie will Malachi den Mord mit Hilfe der Recherche an geschichtlichen Orten, von denen ähnliche Verbrechen historisch überliefert sind, klären (Stichwort: Zeitschleifen). Hier punktet das Spiel und die Story von Jensen mit interessant aufbereiteten Mixturen aus historischen Fakten und fiktionalen Zugaben.

Hört sich nach einer sehr vielversprechenden Ausgangsposition an. Würden Rätseldesign, Steuerung, Grafik und Art-Design nicht nur mäßig bis Durchschnitt sein, wäre es bestimmt ein Highlight für mich gewesen. Doch die eben angesprochenen Punkte verderben mir persönlich den ganzen Spaß. Kein Drag&Drop und eine hakelig wirkende Maussteuerung sind da noch das geringste Übel; am meisten sauer aufgestoßen sind mir die Charakteranimationen die aussehen wie aus dem letzten Jahrtausend und die stark schwankende Qualität der einzelnen Spielszenen. Trotz toller Story will ich nicht so recht in die Spielwelt gezogen werden. Auch die Rätsel sind bis auf wenige Ausnahmen auf Gegenstandssuche zurückzuführen. Komplexere Rätselketten kann man an einer Hand abzählen. Insgesamt konnte ich mich nur auf Grund der doch spannenden Geschichte – die allerdings gegen Ende immer klischeebehafteter wird – bis zum Ende motivieren. Ein Wort der Warnung: Wer das letzte Spiel mit Jensen-Story (Gray Matter aus dem Jahre 2010) schon nur mittelmäßig fand, wird in Moebius: Empire Rising erst recht kein passendes Spiel finden.

So würde ich dieses Spiel nur eingefleischten Adventure-Fans empfehlen – alle anderen bleiben beim bisher einzig lohnenswerten Kickstarter-Adventure Broken Age. Nach den Enttäuschungen bei Serpent’s Curse und nun Moebius hoffe ich sehr, dass Ragnar Tornquist mit Dreamfall Chapters seine The Longest Journey-Reihe, fünfzehn Jahre nach dem überragenden ersten Teil, nicht um einen belanglosen Teil ergänzt.