Ich habe mal wieder eine „neue“ Serie für mich entdeckt. Nachdem sowohl Breaking Bad und Game Of Thrones als auch The Walking Dead momentan ihre Interseason-Pause eingelegt haben und Dr. House ja vor einigen Wochen seine letzte Folge ablieferte, war mir als Serienjunkie nach einem Ausgleich zumute. Auf Grund vieler begeisterter Kommentare einiger Facebook- und Twitter-Kontakte und auch auf Grund der hervorragenden Kritiken, entschloss ich mich für Sherlock. Und ich habe es nicht bereut.

Sherlock ist eine britische Fernsehserie der BBC. Die beiden Schreiber Steven Moffat und Mark Gatiss versetzen dabei die Geschichten von Arthur Conan Doyle in die Gegenwart und lassen Sherlock Holmes mit seinem Assistenten Dr. Watson im heutigen London ermitteln. Es gibt bereits zwei Staffeln mit jeweils drei Folgen, sie sind sogar schon in Deutschland auf Bluray erhältlich. Eine Folge ist dabei ganze neunzig Minuten lang und widmet sich jeweils einem der Originalromane oder einer Kurzgeschichte. Eine dritte Staffel ist angekündigt.

Benedict Cumberbatch und Martin Freeman als Sherlock Holmes und sein Assistent Dr. Watson
Benedict Cumberbatch und Martin Freeman als Sherlock Holmes und sein Assistent Dr. Watson

Hervorzuheben ist die Fähigkeit der Macher, die Handlung in die heutige Zeit zu transferieren ohne auch nur an einer Stelle Dinge unlogisch oder anachronistisch erscheinen zu lassen und dabei inhaltlich trotzdem so nahe am Stoff zu bleiben. Auch ist die Geschichte modern erzählt – es gibt schnelle Schnitte, ohne auf plumbe Action zurückgreifen zu müssen (die gibt es fast gar nicht); es wird mit Text-Einblendungen und vielen, kurzen Flashbacks gearbeitet. Letztere finden häufig ihre Anwendung, wenn Sherlock Holmes (grandios verkörpert vom Schauspieler Benedict Cumberbatch) seinen deduktiven Schluss zur Lösung eines Rätsels beispielsweise Watson (welcher in dieser Adaption ein Afghanistan-Veteran, gespielt von Martin Freeman, ist) erklärt. Das hilft auch vor allem dem Zuschauer dabei, gedanklich folgen zu können und zauberte zumindest mir immer ein bewunderndes Lächeln auf die Lippen. Holmes Genialität kommt genau so gut rüber, wie sein soziopathisches Verhalten (dessen er sich voll bewusst ist). Als Zuschauer rätselt man genau so mit, wie früher etwa bei Columbo und denkt mehr als einmal „Wie hat er das denn nun herausbekommen?“. Eine echte Freude.

Auch bekannte Personen aus den Romanen (etwa seine Vermieterin Mrs. Hudson oder der Polizei-Detective Lestrade, u.v.m.) kommen vor. Seine Drogensucht wird an manchen Stellen angedeutet, völlig offen gezeigt wird jedoch nur sein „Mißbrauch“ von Nikotin-Pflastern. Insgesamt ist diese Serie eine echte Perle, die gekonnt die historische Romanfigur Sherlock Holmes ins Fernsehen des Jahres 2012 bringt ohne dabei den Ursprung aus den Augen zu verlieren. Schauspielerisch, technisch und inhaltlich momentan eine der besten Serien im Free-TV – jede Minute ist besser als die beiden (meiner Meinung nach total überschätzten) Sherlock Holmes Kinofilme der letzten beiden Jahre.