Gestern war ich im Duisburger Grammatikoff, bei Jan Böhmermann. Live, ohne Kameras, Auftakt seiner „Schlimmer als Jan Böhmermann“-Tour. Ich hatte ein wenig Angst, da ich nicht wusste was ich mir unter einer Solo-Bühnenshow von ihm vorstellen sollte. Keine Anrufer wie damals in der LateLine, kein mit Technik ausgestattetes Studio wie im NEO MAGAZIN und auch kein schlagfertiger Co-Moderator an seiner Seite wie in Sanft und Sorgfältig. Böhmermann pur war die Devise.

Und ich wurde nicht enttäuscht – ein grandios aufgelegter Jens Böhnemann, ein super Publikum und eine angenehme Mischung aus vorbereiteten Videos, Lesung von Texten, Standup, Musical, Gesang, Anekdoten aus der Fernsehwelt und Improvisation. Eine Live-Version von PRISM is a Dancer mit dem Publikum war auch dabei. Auch wenn einige Clips und Texte bereits aus anderen Formaten in leicht anderer Form bekannt waren, waren sie sehr unterhaltsam – und mitunter sehr schwarzhumorig und provokant, ironieresistente Menschen hätten allen Grund gehabt sich aufzuregen.

Die ganz große Stärke ist die Interaktion mit dem Publikum und darauf ließ sich Dörnemann auch gerne ein und frotzelte auch zwischendurch immer wieder gegen das Publikum und die Stadt Duisburg. Letzteres war sehr erfrischend: Immer wieder ging er auf die Stadt ein und performte speziell auf den Veranstaltungsort zugeschnitten (Bürgermeister-Historie, Loveparade, Ruhrgebiet, Stadtbild, etc.). Die Einlassungen mit dem Publikum führten schließlich soweit, dass der erste Teil des Abends ganze neunzig Minuten ging – und der zweite beinahe auch. Knapp drei Stunden grandiose Unterhaltung!

Weniger interessant könnte die Show für Menschen gewesen sein, welche die „Medienszene“ – vor allem das Internet und die sozialen Medien – nicht tagesaktuell verfolgen. Viele Namen und versteckte Anspielungen könnten so verloren gehen. Das war gestern aber nicht der Fall, das Publikum war an diesem Abend sehr gut aufgelegt – dazu beigetragen haben mag die Video-Ansprache von William Cohn, welcher das Publikum vorab instruierte und aufforderte sich aktiv einzubringen. Einspieler von Olli Schulz gab es übrigens auch – wie sie Olli Schulz während seiner letzten Tour umgekehrt auch zeigte, schöne Sache ;-).

Auch wenn viele Veranstaltungsorte bereits ausverkauft sind, empfehle ich jedem (der auf diese Art von Humor steht) diese Tour zu besuchen.