Diese Woche Dienstag erschien für die Backer von Tim Schafers (@TimOfLegend) neuem Adventure Broken Age (damals noch unter dem Projektnamen Double Fine Adventure an den Start gegangen) die erste Hälfte des viel erwarteten Spieles. Nach Finanzierungsproblemen trotz weit übertroffenem Kickstarter-Ziel, unzähligen Verschiebungen und einer Menge aufgebrachter Fans, hatte ich sehr viele Sorgen was die Qualität des Spieles angeht. Diese sind jedoch nach dem Durchspielen der Backer-Version zerstreut worden, auch wenn das Spiel gerne etwas altmodischer und mit höherem Schwierigkeitsgrad hätte daher kommen können.

Was ich damit meine? Technisch ist alles auf hohem Niveau, das Art Design ist wunderschön und kommt erst auf großen Bildschirmen und in Bewegung so richtig zur Geltung, die Sprechrollen sind sehr gut besetzt und die Dialoge spritzig und flott geschrieben. Was mich etwas stört sind die Ein-Klick-Steuerung (kontextsensitive Maus), die extrem überschaubaren Rätsel und das wenig genutzte Inventar (selten hatte ich mal mehr als drei Items gleichzeitig in der Tasche). Auch das Interface hätte etwas besser durchdacht werden können: Warum muss ich beispielsweise erst mit der Maus unten links auf ein Symbol klicken um das Inventar zu öffnen? Warum kann ich standardmäßig Dialoge nur mit der Leertaste komplett abbrechen und nicht mit der Maus einzelne Sätze überspringen? Aber die meisten dieser Punkte lassen sich durch das sorgsame Anpassen der Steuerung im Optionsmenü beseitigen. Ebenso lässt sich dort die Sprache umstellen – bis auf die Sprachausgabe ist das Spiel komplett für den deutschen Markt lokalisiert worden (sogar Texte innerhalb der Spielwelt); die Übersetzung ist dabei sehr gut gelungen und transportiert die Essenz der Originaltexte.

Besonders beeindruckt hat mich nicht nur das Art Design an sich, sondern die Art und Weise, wie es umgesetzt wurde. Broken Age spielt sich wie ein interaktiver Zeichentrickfilm – gezeichnet mit Aquarellfarbe und einem Pinsel. Broken Age ist eine zum Leben erweckte Leinwand. Hauptverantwortlich dafür zeichnet sich Nathan Stapley (@natelbagel), dem man schon in der überaus interessanten Dokumentation rund um die Entstehung des Spieles öfter mal über die Schulter schauen konnte und der oft und gerne auf Twitter-Fragen antwortet. Auch die vollkommen unterschiedlichen Settings der beiden spielbaren Charaktere (man kann in guter alter Day of the Tentacle Manier jederzeit zwischen ihnen hin und her wechseln) Shay und Vella.

Shay befindet sich auf einem Raumschiff und wird rund um die Uhr vom Bordrechner wie ein kleines Kind bemuttert; Immer wieder erlebt er den gleichen Tagesablauf und ist mittlerweile schier am verzweifeln bei dem Versuch, diesem Trott zu entgehen. Vella lebt in einem Dorf und bereitet sich auf das „Festmahl der Jungfrauen“ vor, wo einem Monster alle vierzehn Jahre eine Auswahl von jungen Mädchen präsentiert wird, auf dass es diese frisst und das Dorf verschont. Da das Spiel – wie angedeutet – die Möglichkeit bietet, jederzeit zwischen den beiden Charakteren zu wechseln, liegt die Vermutung nahe, dass sich die beiden Erzählstränge der jungen Erwachsenen irgendwann im Spiel überschneiden werden und eine Interaktion nötig wird. Ich freue mich auf diesen Zeitpunkt!

Ich kann schlussendlich nicht anders, als eine Kaufempfehlung auszusprechen. Adventure-Kenner werden nochmal etwas mehr Spaß haben, da sich überall kleine Referenzen und Zitate auf bekannte Adventures der Neunziger finden lassen (beispielsweise Legend of Kyrandia 2 und Loom, um zwei der offensichtlichsten aus dem Anfang des Spiels zu nennen). Für Nicht-Backer wird das Spiel Ende Januar verfügbar sein – vorbestellbar ist es auf Steam schon.