Es ging vergangene Woche wieder los mit Sherlock! Eine der besten Filmreihen der vergangenen Jahre startet in die nächsten drei Folgen.

Die erste Folge „The Empty Hearse“ ist zeitlich zwei Jahre nach den Geschehnissen von der Folge „The Reichenbach Falls“ angesiedelt: Nach Moriartys Tod wurde das Ansehen von Sherlock in der Öffentlichkeit wieder rehabilitiert, er selber wird aber weiterhin für Tod gehalten. Das er es nicht ist, wissen wir als Zuschauer, jedoch wussten wir nicht, wie er seinen Tod genau fingiert hat (trotz der unzähligen Spekulationen im Netz). Zwei Jahre warteten wir nun gespannt auf die Auflösung dieses Täuschungsmanövers. Äußerst geschickt spielen die Macher mit diesen hohen Erwartungen. So wird erst am Ende der Episode enthüllt, wie Sherlock genau diesen Coup durchgeführt hat. Eingestreuht werden aber immer wieder falsche Theorien, die von der „Sherlock Lives“-Gruppierung diskutiert werden – dies sind eins-zu-eins verschiedene Theorien, die in Sherlock-Fanforen diskutiert wurden. Manche Forenmitglieder sind als Komparsen in der eben angesprochenen Gruppierung zu sehen. Eine – wie ich finde – sehr schöne Aktion der Macher.

Aber bevor Sherlock wieder in London auftauchen kann, wird er von seinem Bruder Mycroft ausfindig gemacht und aus einer gefährlichen Situation gerettet. Scheinbar war Sherlock die gesamten zwei Jahre lang unterwegs um Moriartys Verbrechernetzwerk auszuheben. Er wird nun jedoch gebraucht, um in London eine angekündigte Terrowelle einzudämmen. Und eins steht auch nun schon fest: Mycroft und ein großer Teil seiner Regierungsabteilung wussten scheinbar von Sherlocks fingiertem Tod. Wie die Episode weiter geht, will ich relativ spoilerfrei zusammenfassen: Zurück in London muss sich Sherlock wieder der Öffentlichkeit zeigen, was einige (zwischenmenschliche) Probleme mit sich bringt. Die von Mycroft angekündigte Terrorgefahr kommt allmählich zum Vorschein und verlangt von allen Protagonisten viel Einsatz.

Technisch, schauspielerisch und drehbuchmäßig überzeugt mich diese Folge voll und ganz. Allein der Moment wenn Watson auf den totgeglaubten Sherlock trifft, hat mich fast vom Stuhl gehauen. So genial geschrieben und gespielt. Die Macher haben es außerdem geschafft, was ich ihnen nicht zugetraut hätte: Sie haben Sherlock menschlicher gemacht – mit seinen Erfahrungen, die er durch seine Wiederkehr von den Toten mit seiner näheren Umgebung macht, entwickelt er sich ein wenig zu einem sozialen Wesen. Eine Gratwanderung, deren realistische und glaubhafte Umsetzung ich mir nicht gerade einfach vorstelle. Das Experiment ist aber gelungen – dank den Machern Mark Gatiss (der übrigens Mycroft Holmes verkörpert) und Steven Moffat und dem grandios aufspielenden Benedict Cumberbatch.

Auch Mycroft wird deutlicher herausgearbeitet: War er in den ersten sechs Folgen noch der geheimnisvolle, im Hintergrund agierende Bruder Sherlocks, wird in dieser Folge klar, dass er mindestens genauso begabt ist wie Sherlock und durchaus gerne mit ihm zusammenarbeitet. Dies entspricht der literarischen Vorlage, in der Mycrofts deduktive Fähigkeiten die von Sherlock noch bei weitem übertreffen, er jedoch auf Grund seiner Weigerung körperlich aktiv zu werden und Nachforschungen anzustellen, hinter Sherlock zurücksteht. Auch Sherlocks Eltern bekommen wir in dieser Episode kurz zu Gesicht – übrigens gespielt von Benedict Cumberbatchs echten Eltern, die ebenfalls Schauspieler sind. Am Ende der Folge ist äußerlich der Status Quo wieder hergestellt – Sherlock zurück in der Baker Street, zusammen mit Watson und Mrs. Hudson. Die bevorstehende Hochzeit zwischen Watson und seiner neuen Freundin und eine bedrohliche Szene in einem dunklen Raum mit einem Mann, der es scheinbar auf Sherlock abgesehen hat, versprechen einiges für die nächsten zwei Folgen „The Sign of Three“ und „His Last Vow“.

Ich kann gar nicht genug betonen, was für eine qualitativ hochwertige Reihe die BBC dort produziert – neben Doctor Who eine der herausragendsten Erzeugnisse des britischen Fernsehens. Wie sagte Uke Bosse so schön in einem Podcast (Empfehlung!), den ich letztens gehört habe: „Die Engländer haben Sherlock und wir haben den Tatort. Womit haben wir das verdient?“.