Kickstarter ist schon seit einigen Monaten in vieler Munde, Crowdfunding ist enorm in Mode gekommen und das obwohl nur sehr wenige der erfolgreich unterstützten Spiele bisher auf dem Markt sind. Und selbst bei diesen überwiegt laut Medienecho oftmals die Enttäuschung (siehe zum Beispiel Star Command). Doch auch ich habe mich in der Vergangenheit für einige Projekte erwärmen können und habe (mal mehr, mal weniger) Geld investiert. Im Einzelnen in die folgenden Projekte:

Star Citizen. Das neue Spiel von „Wing Commander“ Chris Roberts und seiner neu gegründeten Firma Cloud Imperium Games. Roberts kehrt nach einer mehrjährigen Phase des Filmemachens mit diesem Projekt in die Spieleszene zurück und hat sich einiges vorgenommen. „Star Citizen“ verspricht ein konsistentes (multiplayerfähiges) Universum mit unzähligen Planetensystemen, Rassen, Fraktionen und auf- und ausrüstbaren Raumschiffen unterschiedlichster Größen (vom Ein-Mann-Jäger bis zum Hundert-Mann-Carrier, in welchem ganze Schiffe landen können). Diese spielerische Vielfalt soll kombiniert werden mit realistischer Physik, high-end Grafik und einer herausfordernden Singleplayer-Kampagne mit dem Titel „Squadron 42“. Frei verfügbare Mod-Tools und offene Schnittstellen runden das ohnehin schon gelungene Gesamtbild ab. Weitere Informationen gibt es massenhaft auf der offiziellen Seite und in diesem Präsentationsvideo. Besonders hervorzuheben sind die regelmäßigen Updates auf der Seite, Live-Casts mit den Entwicklern und die Einbeziehung der Community durch Umfragen und Forendiskussionen.

Broken Age (ehemals: Double Fine Adventure). Die Begeisterung war groß, als Tim Schafer mit seiner unabhängigen Spieleschmiede Double Fine ein Kickstarter-Video präsentierte, in dem er um Geld für ein neues Point&Click-Adventure aus seinen Händen bat. Diese Kampagne hat die Crowdfunding-Welle überhaupt erst verursacht und war lange Zeit das am höchsten finanzierte Projekt auf Kickstarter. Mittlerweile sind ganze sieben professionell produzierte Behind-The-Scenes-Videos entstanden, welche die Entstehung des Spiels ungeschminkt und ehrlich mit all ihren Facetten dokumentieren. Über die Story des Spiels ist sehr wenig bekannt, der Grafikstil mag den ein oder anderen abschrecken – mein Vertrauen ist allerdings nach wie vor ungetrübt. Auch nachdem sich Ron Gilbert aus der Firma verabschiedet hat – viele, so auch ich, gingen davon aus, dass auch er aktiv an der Entstehung des Spiels beteiligt ist. Laut Tim Schafer steht er allerdings nach wie vor als externer Berater zur Verfügung. Besonders erwähnenswert sind die von einer professionellen Produktionsfirma erstellten Dokumentationen für die Unterstützer und die Anwesenheit nahezu aller Entwickler in den Foren und ihre Bereitschaft oft und gerne Rede und Antwort zu stehen.

Torment: Tides Of Numenera. Dies ist bereits das zweite Kickstarter-Projekt von Szene-Urgestein Brian Fargo in kurzer Folge. Er begründet es damit, dass das Story- und Gameplay-Team von „Wasteland 2“ (sein erstes Kickstarter-Projekt) langsam fertig wird und er es so direkt in ein Folgeprojekt stecken könnte, während die Entwickler, Grafiker und der ganze Rest nun voll ausgelastet sind. Mit Colin McComb haben sie sich den Entwickler des Pen&Paper-RPG-Regelwerks Numenera (übrigens ebenfalls über Kickstarter finanziert) an Bord geholt und entwickeln einen Nachfolger zu „Planescape: Torment“, einem der besten Computerrollenspiele, die existieren. Auf Grund der fehlenden AD&D-Lizenzen greifen Fargo und seine Firma inXile Entertainment auf McCombs Welt Numenera zurück. Sehr viele der ursprünglichen Kreativen von „Planescape: Torment“ sind Mitglied im aktuellen Team. Diese Tatsache, zusammen mit den von mir gesehenen Interviews mit Brian Fargo und Colin McComb, in denen klar wird, dass sie verstehen worauf es bei dem Spiel ankommen wird und warum Planescape so genial war, haben mich überzeugt, mein Geld zu investieren. Sehr schön finde ich auch das zur Verfügung gestellte Voting-System, in dem jeder Unterstützer des Projekts Vorschläge für das Spiel machen kann, die dann von den anderen Benutzern und den Entwicklern selber bewertet und kommentiert werden können.

Asylum. Das kleinste Projekt – quasi fast ein Ein-Mann-Projekt – von meinen Investitionen. Agustin Cordes, der Macher des ausnahmslos fesselnden Horror-Adventures „Scratches“, steckt hinter der Firma Senscape und hat sich zur Aufgabe gemacht mit „Asylum“ einen geistigen Nachfolger zu „Scratches“ in der neu entwickelten Adventure-Engine „Dagon“ zu verwirklichen. Ähnlich wie der Vorgänger, spielt „Asylum“ in einem räumlich sehr überschaubaren Areal (Irrenhaus mit umgebendem Grundstück) und wird – „Myst“-artig – aus der Ego-Perspektive und ausschließlich mit der Maus bedient. Jedoch besteht das Spiel nicht mehr aus Standbildern, sondern verfügt dank der neuen Engine über bewegliche Hintergründe und animierte 3D-Modelle in der Szene. Die gute Qualität von „Scratches“ und die Preview-Videos von Dagon und „Asylum“ haben mich überzeugt, hier auch Geld zu investieren. Die Kommunikation zwischen Entwicklern und Unterstützern läuft allerdings nicht so gut wie in den anderen hier vorgestellten Projekten: Es gibt erst zwei exklusive, kommentierte Videos mit Ausschnitten aus dem Spiel (wovon eines nur wenige Sekunden lang ist); nur das Forum ist für die kleine Größe des Projekts gut besucht. Ich gebe es zu: Hier handelt es sich wirklich um einen Special-Interest-Titel, der nicht viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.

DreadOut. Klassischer asiatischer Horror – also kein Haudrauf- und Erschreck-Horror, sondern langsam, bedrohlich und ungeheuer gruselig. Das Spiel ist ein Nachfolger im Geiste vom PS2- und XBox1-Spiel „Fatal Frame“ (auch: „Zero“ oder „Project Zero“) des Entwicklerstudios Tecmo. In diesem ist man als Spieler mit der sogenannten Kamera Obskura ausgerüstet, welche Geister und Monstrositäten in der Umwelt aufspüren und ihnen Schaden zufügen kann. DreadOut soll ruhiger sein als „Fatal Frame“ und psychologischen Horror mehr in den Vordergrund stellen. Es gibt eine offizielle Demo auf der Projektseite, die mich letztendlich so sehr mitgenommen hat, dass ich bei diesem Spiel einfach zuschlagen musste.

Massive Chalice. Das zweite Kickstarter-Projekt von Double Fine. Es handelt sich hierbei um ein Strategie-Rollenspiel im Stile von „Final Fantasy Tactics“. Besonders hervorgehoben wurde im Pitch-Video das Feature, Skills und Habseligkeiten seines Charakters an seine Nachkommen vererben zu können und so einen richtigen Stammbaum entstehen zu lassen, welcher sich durch die ganze Spiel-Story zieht. Auch wenn das Genre nicht unbedingt eines meiner Lieblinge ist, habe ich dieses Projekt unterstützt; und zwar aus einem Grund: Double Fine soll auch weiterhin komplett unabhängig von Publishern sein und als Indie-Studio weiter überleben!

Es gibt natürlich auch zig Projekte, die mich enorm interessieren, die ich aber aus den verschiedensten Gründen nicht unterstützt habe. Ihr solltet auf jeden Fall mal bei Kickstarter oder Indiegogo stöbern, und haltet euren Geldbeutel fest ;-).