Heute mal wieder ein kleines Buch-Review, dieses mal jedoch keine Belletristik, sondern ein Sachbuch. Es geht um „The Clean Coder: A Code of Conduct for Professional Programmers“ von Robert C. Martin. Während der Vorgänger dieses Buches („Clean Code: A Handbook of Agile Software Craftsmanship“) noch den Code und seine Entstehung zum Thema hatte, bearbeitet Martin in „The Clean Coder“ die andere Seite des Bildschirms: Den Programmierer selber. Er geht auf Probleme ein, die jeder professionelle Entwickler zumindest im Ansatz kennt und versucht Tipps und Verhaltensregeln zu vermitteln, die einen guten Entwickler ausmachen:

  • Wie geht man mit knappen Zeitplänen und unvernüftigen Managern um?
  • Wie vermeidet man Schreibblockaden und bleibt im Fluss?
  • Wie geht man mit Druck um und vermeidet Burnout?
  • Wie optimiert man das Zeitmanagement und vermeidet Sackgassen?
  • Wie verbinde ich meine innere Haltung mit neuen Paradigmen der Softwareentwicklung?
  • Wann sagt man „Nein“ – und wie stellt man das an?
  • Wann sagt man „Ja“ – und was bedeutet das?

Antworten auf diese und ähnliche Fragen gelingen dem Autor durchaus, die Beispiele sind praxisnah und der Inhalt des Buches besteht meiner Meinung nach auch den Praxistest. Man merkt dem Autor an, dass er selber aus der Branche kommt und so einige verheerende Erfahrungen gesammelt hat. Martin verziert die Kapitel mit Anekdoten aus seinem eigenen Projekt-Werdegang, aber auch mit allerlei Beispiel-Dialogen, die er dann geschickt variiert um zu dem von ihm jeweils beschriebenen Profi-Verhalten zu kommen.

Mich persönlich hat dieses Buch gefesselt und mir so einige neue Ansichten auf meinen Berufsalltag verschafft. Der Inhalt geht über reines „Code schreiben“ hinaus und präsentiert einen Verhaltenskodex, den man – auch in persönlich angepasster Form – beruflich leben kann. Es gibt durchaus streitbare Aussagen (beispielsweise die beruflichen Fortbildungen in der Freizeit), doch auch diese regen zum Reflektieren über das eigene Verhalten an. Man muss nicht allen Aussagen des Autors zustimmen (bei einigen halte ich das glatte Gegenteil für das Richtige), um aus der Lektüre dieses Buches einen Nutzen zu ziehen. Des Weiteren gefiel mir der lockere Schreibstil, der sehr „plauderhaft“ daherkommt; lediglich eine hier und da durchschimmernde Selbstbeweihräucherung des Autors kann zuweilen sehr auf die Nerven gehen – zumindest mir.

Zusammen mit dem bereits angesprochenen Vorgängerbuch „Clean Code“, ist „The Clean Coder“ aus meiner Sicht schon beinahe eine Pflichtlektüre für Berufsentwickler.