Am 21. Mai strahlte der Sender FOX das Serienfinale von Dr. House mit dem Titel „Everybody Dies“ aus. Nach acht Staffeln und insgesamt 177 Folgen der Abschluss einer großartigen Serie. Für mich als Fan Grund genug, diese letzte Folge noch einmal Revue passieren zu lassen. Ich nehme dabei keinerlei Rücksicht auf Leute, die diese Folge noch nicht gesehen haben – dieser Eintrag hier ist nicht spoilerfrei.

Schon der Titel dieser Episode dürfte jedem eingefleischten House-Fan Freude bescheren, wird doch schon alleine durch ihn ein Bogen zur allerersten Episode aus dem Jahr 2004 geschlagen. Diese trägt den Titel „Everybody Lies“. Aber auch inhaltlich kann diese Episode die Serie meiner Meinung nach zu einem versöhnlichen Abschluss bringen, auch wenn ich etwas Kritik zu äußern habe. Fest steht: Wo viele andere Serien nur nochmal bereits gedrehtes Material aus früheren Folgen als eine Art BestOf unter irgendeinem, inhaltlich fragwürdigen Vorwand nochmal senden, hat House die Chance bekommen, viele Plots glattzuziehen und einen runden, packenden Abschluss zu inszenieren.

Aber beginnen wir erstmal mit der Vorgeschichte des Finales, welches über die vorherigen Folgen langsam immer weiter aufgebaut wurde. Mittelpunkt ist die Erkrankung von Wilson, welcher – soweit steht es nun fest – nur noch maximal fünf Monate zu Leben haben wird. House würde diese Zeit gerne mit ihm verbringen, muss aber auf Grund von Verstößen gegen seine Bewährungsauflagen wieder ins Gefängnis zurück. Gar nicht seine Art, fleht er sogar Foreman an, seine Haft aufzuschieben („be a friend“), damit er Wilson in den letzten fünf Monaten seines Lebens beistehen kann. Als der Haftantritt jedoch unausweichlich scheint, entschließt House sich offenbar zum Selbstmord. Zu Beginn der Folge sehen wir ihn neben der Leiche des PotW (Patient of the Week, so werden die Hauptpatienten einer jeden Folge genannt) liegen. Das Haus brennt und House ist sichtlich nicht gewillt, dieses zu verlassen.

Während Wilson und Foreman Böses ahnen und nach ihm suchen, erleben wir als Zuschauer den Kampf von House mit seinen inneren Konflikten. Dies geschieht durch Halluzinationen, die House erlebt. Viele wichtige Entwicklungsstationen aus dem Serienverlauf haben einen Auftritt: Kutner, Amber, Stacy und Cameron versuchen nacheinander House dazu zu bringen, das brennende Haus zu verlassen. Der Dialog mit Stacy ist dabei am ergreifendsten, wird ihre alte Beziehung und Houses Vorgeschichte noch einmal angesprochen – ein absoluter Gänsehautmoment für Serienkenner. In vielen Foren wird diskutiert, ob nicht Cuddy anstelle von Stacy besser gepasst hätte. Ich bin ganz und gar nicht dieser Meinung – nach meinem persönlichen Empfinden war Stacy die einzige, die House je richtig geliebt hat, während Cuddy aus House etwas machen wollte, was er nicht ist. Und nach den Geschehnissen im Finale der siebten Staffel sollte eigentlich klar sein, dass House dieses Kapitel abgehakt hat.

Aber zurück ins brennende Haus: Von all den herbeihalluzinierten Personen schafft es schließlich nur Cameron, House zum Weitermachen zu überreden – indem sie ihm den Tod wünscht. Umgekehrte Psychologie – wobei ich mir nicht sicher bin, ob Cameron in Houses Gedanken das nicht wirklich ernst meinte. In der Zwischenzeit sind auch Wilson und Foreman am brennenden Haus angekommen, sie sehen House – oder zumindest eine ihm sehr ähnlich sehende Silhouette – im Fenster stehen. Dann stürzt ein brennender Balken auf ihn und als Wilson zur Hilfe kommen will, explodiert das Gebäude. Anschließend tragen die Rettungskräfte einen nicht mehr identifizierbaren Körper aus den Trümmern. Das, und die Tatsache, dass niemand wusste, dass auch der PotW bei House war, ist noch sehr wichtig. Denn während des Beerdigungs-Gottesdienstes, wo jeder wichtige Charakter noch einmal über House spricht und seinen Frieden mit ihm schließt, erhält Wilson während seiner Ansprache, die in eine wilde Beschimpfung von House ausartet, eine SMS mit dem Inhalt „Shut up, idiot“. Später sieht man Wilson zu seinem Haus fahren, wo House auf den Stufen vorm Eingang sitzt. Jetzt wird Wilson und dem Zuschauer einiges klar: House hat von vornherein sein Ableben inszenieren wollen, um nicht ins Gefängnis zu müssen und die letzten Monate mit Wilson verbringen zu können. Dafür sprechen sowohl die Tatsache, dass er den PotW bei sich hatte (um ihn als seine Leiche ausgeben zu können) und dass er sagt, er hätte seine und die Zahnunterlagen des PotW ausgetauscht (was er meiner Meinung nach nur vorher gemacht haben kann). Es ergeben sich jedoch zwei Fragen: Es passt nicht zu House, dass er das Menschenleben des PotW geopfert hat und warum mussten ihm die Halluzinationen dazu überreden, seinen Plan auch zuende zu bringen und nicht einfach zu sterben?

Was die zweite Frage angeht, glaube ich, dass es nun, wo der Tod so nahe ist, House wirklich Überwindung gekostet hat, wieder in sein Leben zurückzukehren, wo dann nichts mehr so sein würde wie zuvor. Da erschien womöglich in dieser Situation das einfache Sterben als bequemere Option – einfach liegen bleiben und alle Probleme lösen sich von selbst. Die Halluzinationen – sein Unterbewusstsein – haben ihn dann aber wieder auf den richtigen Weg gebracht. Der zweite Punkt ist etwas komplexer: Da die beiden in dem Haus waren, um Drogen zu nehmen, hat House nach meinem Empfinden darauf spekuliert, dass sich der PotW eine Überdosis setzt –  er kannte ihn schließlich schon auf Grund der Behandlung gut genug. Um in diesem Fall nicht helfen zu müssen, konsumierte auch House die Droge. Da er aber nicht sicher war, ob das so klappen würde, hat er (wann genau ist nicht rekonstruierbar finde ich) sowohl Wilson als auch Foreman versucht auf dem Handy zu erreichen. Beide gingen nicht dran. Also eine für House typische, sehr fatalistische Handlung.

Die letzte Folge schließt dann damit, dass wir einige Momente aus dem Leben der Mitglieder des Hauptcasts sehen, wobei mir die Szene von Foreman am besten gefällt: Als er zu Beginn der Folge von House aufgesucht wird, versucht er gerade einen Beistelltisch mit einem Stück Papier vom Wackeln abzuhalten und nimmt dies als Vorwand, House nicht helfen zu können (es ging um eine Aufschiebung der Haft). In der letzten Szene sitzt Foreman an diesem Tisch und dieser wackelt erneut – als er unter dem Tisch nachschaut, ist das Papierstück am Tischbein verschwunden. Stattdessen liegt Houses Dienstausweis darunter – mit einem wissenden Lächeln hebt Foreman ihn auf. Ich glaube, in diesem Moment wurde ihm zumindest ansatzweise klar, dass House nicht tot ist (schließlich konnte er ihn in der Leichenhalle auch nicht identifizieren, weil die gefundene Leiche zu sehr verbrannt war). Das wirklich letzte Bild der Folge zeigt House und Wilson auf Motorrädern durch einen ländlichen Landstrich fahren.

Nun aber zu meiner Kritik, die sich aber auch nur auf eine Sache beschränkt: Über Houses Eltern und das gestörte Verhältnis zu seinem Vater wird gar nicht mehr eingegangen, das hätte man prima in eine Halluzination packen können, zumal es für House auch ein überaus sensibles Thema ist. Vicodinsucht und sein Bein werden ebenfalls nicht erwähnt – aber das finde ich verschmerzbar. Ein paar offene Enden sind gut. Alles in allem war diese Folge mehr als ich mir erhofft hatte und ich kann es kaum erwarten meine Sammlung mit der DVD-Box zur achten Staffel zu komplettieren. Als faszinierter „House-Holmes-Referenzensucher“ gefällt mir dieses Ende auch auf einer Meta-Ebene sehr gut: Immer wieder gab es im Laufe der Serie Anspielungen auf Sherlock Holmes – angefangen bei Houses Charakterzügen, seiner außerordentlichen Beobachtungsgabe und seiner Tablettenabhängigkeit, über Wilsons Rolle in seinem Leben (Watson) oder auch nur seiner Hausnummer.  Dies hier aber ist die ultimative Sherlock Holmes Referenz: Auch der berühmte Detektiv täuschte schlussendlich seinen eigenen Tod vor.