„A survivor is born“ – dieser Satz begegnet einem im Zusammenhang mit dem neuen Tomb Raider-Teil sehr oft. Ein Relaunch, ein kompletter Neuanfang und die Wandlung der Lara Croft von der unschuldigen Studentin hin zu einer selbstbewussten und furchtlosen Abenteurerin wurde vorher angekündigt. Vorweg: Mich selber hat dies nur wenig interessiert, ich wollte einfach mal wieder ein zeitgemäßes Action-Adventure mit frischer Story aus dem Tomb Raider-Universum. Und das habe ich bekommen (alles andere aber übrigens auch). Wegen der Aktualität des Spieles gehe ich hier nicht auf die Story bzw. den Handlungsverlauf ein – die Screenshots sind das Einzige, was hier als Spoiler durchgehen könnte.

Tomb Raider ist für mich der perfekte Mix aus Uncharted und Arkham City: Mit Laras neuestem Abenteuer hat Crystal Dynamics die actiongeladene Inszenierung und den dramaturgisch fesselnden Spielfluss der Naughty Dog Spiele gekonnt mit einer Semi Open World, Gadgets und einem Levelsystem ala Arkham City verwoben. Man kann der Story folgen und nebenbei seine gefundenen Ausrüstungsgegenstände und die eigenen Überlebensfähigkeiten verbessern, um so in Levelbereiche vorzudringen, die einem vorher verwehrt blieben. Dort warten neben Bergungsgut (was man benötigt um seine Waffen in einem der vielen Lager zu verbessern) und Munition jede Menge Sammelgegenstände (Artefakte, Geocaches, Tagebücher), die Achievements und Zusatzinhalte, wie etwa Entwicklertagebücher und Charaktermodelle, freischalten, auf ihre Entdeckung.

Um die Laufwege und das Backtracking für eifrige Sammler möglichst gering zu halten, gibt es ein Schnellreisesystem, welches euch von Lagerfeuer zu Lagerfeuer teleportiert. Ich persönlich habe mich erst vollkommen auf die Story gestürzt und diese in circa sieben Stunden abgeschlossen – ohne auch nur ein einziges mal vom Teleport Gebrauch machen zu müssen. Langweilig wurde mir nie – die Schauplätze sind spielerisch und grafisch enorm abwechslungsreich, die Story geheimnisvoll und wendungsreich. Nach Abschluss des Spieles habe ich nun übrigens die Möglichkeit, ganz in Ruhe die Insel zu erkunden und alle angesprochenen Geheimnisse mit allen freigeschalteten Fähigkeiten aufzuspüren.

Meiner Meinung nach ist es den Entwicklern gut gelungen, die Gründe für Laras späteres Leben aufzuzeigen oder zumindest anzudeuten. Der Wandel vom Teenie zur selbstbewussten Abenteuer-Frau wirkt weder aufgesetzt noch kitschig; auch viele selbstreferentielle Momente und Rückblicke innerhalb des Spielverlaufs fügen sich zu einem gelungenen Gesamtbild. Das Wecken eines Beschützerinstinkts, wie oft von den Entwicklern angedeutet, hat bei mir allerdings nicht funktioniert; eventuell weil Lara von Anfang an weder unbeholfen noch schutzbedürftig wirkt – sie ist eloquent, schlagfertig und weiß was sie will.

Was mir auch nicht so gefallen hat, ist die extrem explizite Gewaltdarstellung. Beinahe jeder Tod von Lara wird beispielsweise von einer ziemlich brutalen Sterbesequenz begleitet. Außerdem vergeht keine Minute, ohne das Lara nicht komplett blutverschmiert und mit Wunden versehen dasteht. Ausserdem habe ich lange nicht mehr soviele Kadaver, Gedärme und Skelette in einem Spiel gesehen… Realismus gut und schön – ich empfinde das aber eher als eine Anbiederung an den momentan herrschenden Zeitgeist und den Mainstream. Explizite Gewaltdarstellungen und Gore-Effekte waren nie ein Markenzeichen von Tomb Raider und sollten es auch nicht werden. Tomb Raider ist Action, Rätsel und Kletterei an exotischen bzw. ungewöhnlichen Orten – was hier ja auch (endlich mal wieder) in Perfektion geboten wird.

So, dass war es nun erstmal – Bilder folgen, sobald ich morgen am PC bin; schreiben tue ich gerade vom Bett aus mit dem iPad ;-). Bevor ich mich nun schlafen lege, spreche ich noch kurz einen Kaufbefehl aus und verrate, was als nächstes auf meiner Spieleliste steht: Metal Gear Rising: Revengeance! Wenn es gut ist, werde ich es euch mitteilen – egal ob hier, über Twitter oder auf meinem Youtube-Kanal ;-). Bis dann!