Über die Osterfeiertage schaue ich momentan eine Menge Serien. Dabei beschränke ich mich nicht nur, wie bisher meistens, auf mir bekannte Serien, sondern habe auch mal Tipps von Bekannten berücksichtigt. Nachdem ich letztes Wochenende die erste Staffel von „Game of Thrones“ beinahe am Stück geschaut habe (eine Serie, über die man glaube ich nicht mehr viele Worte verlieren muss), war dieses Wochenende die Serie „Breaking Bad“ dran. Genauer gesagt: Die ersten beiden Staffeln. Hier wird nichts gespoilert, was über die grobe Handlung der ersten Folge hinausgeht.

„Breaking Bad“ ist die neue Serie von Vince Gilligan, einem der Produzenten von „Akte X“. Erzählt wird das Abrutschen des überqualifizierten Chemielehrers Walter White in die kriminelle Szene. Um seine Frau Skyler und seinen behinderten Sohn Walter Jr. ein finanziell abgesichertes Leben bieten zu können, arbeitet er nach seinem Unterricht abends noch in einer Autowaschanlage. Alles läuft eigentlich super, die Familie ist glücklich. Dann jedoch erhält Walter die Diagnose Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium – inoperabel. Er „wacht auf“ (wie er selber sagt) und entschließt sich, sein chemisches Wissen dazu zu nutzen, das reinste Crystal Meth der ganzen Stadt zu produzieren und zu verkaufen. Damit will er seiner Familie (seine Frau erwartet über dies auch noch ein Kinde von ihm) eine gesicherte Zukunft nach seinem Tode bieten. Als Unterstützung für seinen Einstieg in das Drogengeschäft wählt er sich seinen ehemaligen Schüler Jesse Pinkman, der als Dealer tätig werden soll. Das Ganze gewinnt zusätzlich an Spannung, da Walter alles dafür tut, sein normales häusliches Leben mit seiner Familie aufrecht zu erhalten. Außerdem arbeitet sein Schwager Hank als Einsatzleiter bei der Drogenbehörde DEA.

Während die erste Staffel noch die Anfänge und ersten Versuche von Walter und Jesse zeigen, in der Szene Fuss zu fassen, gewinnt die zweite Staffel nochmals an Tempo und es fällt Walter immer schwerer, seine Machenschaften geheim zu halten und gleichzeitig in der Drogenszene zu bestehen. Selten habe ich eine Serie gesehen, wo mich jeder einzelne Charakter so dermaßen zu fesseln vermag. Das liegt zum einen an der Genialität der Drehbuchschreiber, die es verstehen (und vom Sender die Chance erhalten) eine hochkomplexe Handlung auch staffelübergreifend immer weiter zu flechten, ohne dass sie aufgesetzt oder unrealistisch wirkt. Jeder Schritt und jede Aktion von Walter ist total verständlich, der Zuschauer steckt wie Walter ständig in einem moralischen Dilemma – man mag Walter, kann seine Motive verstehen, aber kann sein Verhalten richtig sein? Und da wären wir auch schon beim zweiten Grund für die Genialität der Serie: Die Darsteller! Bryan Cranston spielt Walter White und erhielt für seine Darstellung bereits drei Emmys in Folge als bester Schauspieler in einer Dramaserie. Sein Spiel reißt einen echt vom Hocker, er ist so authentisch, dass man versucht ist zu glauben, dass Cranston in der Rolle endlich mal so sein kann, wie er privat gerne wäre. Auch die Leistung von Aaron Paul – welcher Jesse Pinkman spielt – ist überragend. Seine Darstellung des naiven, drogensüchtigen Ex-Schülers ist ebenfalls sehr plastisch.

Alles in allem lebt die Serie vor allem von der dichten Handlung und den hervorragenden Schauspielern, dem mit der Zeit immer mehr bröckelndem Geheimnis von Walter vor seiner Familie und der Faszination an der brutal dargestellten Meth-Szene. Mich persönlich faszinieren auch die vielen eingestreuten Chemie-Wissenshappen. Die Serie hat gerade ihre vierte Staffel beendet, die fünfte wird die letzte sein. Auf DVD gibt es bereits alle vier bisher gesendeten Staffeln, auf Bluray die ersten beiden – drei und vier erscheinen im Juni. Für jeden Serienfan ein absolutes Muss!