Session Prep

S

Bezugnehmend auf meinen vorherigen Beitrag mit den Literaturempfehlungen für das Ausdenken und Niederschreiben von Abenteuern, halte ich es auch für interessant, meine Art der Sitzungsvorbereitung einmal vorzustellen. Ich selber bin immer dankbar für gute Tipps gewesen und es hat unzählige Sessions gebraucht, bis ich zu einem Format gekommen bin, mit dem ich (a) mich gut vorbereiten kann und (b) am Spielabend selber immer schnell die benötigten Informationen zur Hand habe.

Zeit!

So banal es klingt, aber die Vorbereitung von Rollenspiel-Sitzungen benötigt Zeit. Und diese sollte man sich nehmen; ein schlecht vorbereiteter Spielleiter frustiert die Mitspieler und baut Fehler ein, die Auswirkungen auch auf spätere Sitzungen haben können. Ich für meinen Teil trage mir die Vorbereitung auf einen Spielabend wie einen normalen Termin im Kalender ein und zwinge mich dazu, diese Zeit nicht anderweitig zu verplanen. Für die Vorbereitung eines Spielabends in einer laufenden Kampagne blocke ich mittlerweile einen Samstag; ein Einmal-Abenteuer nimmt – je nach Komplexität – meistens weniger Zeit in Anspruch; der Start in eine neue Kampagne natürlich einige Zeit mehr. Mein Tipp: Blockt euch die Vorbereitungszeit! Und solltet ihr euch nicht gut vorbereitet fühlen: Sagt den Spieltermin rechtzeitig ab und findet zeitnah einen neuen Termin!

Ebenfalls wichtig finde ich die Lage des Termins. Für mich ist es beim Spielleiten ein enormer Unterschied, ob die Sitzung Freitagabends nach einem anstrengenden Arbeitstag bzw. einer anstrengender Arbeitswoche stattfindet oder entspannt an einem Samstag oder Sonntag. Hier solltet ihr für euch herausfinden, was euch am besten liegt. Denn anders als müde Spieler, könnt ihr euch nicht zurückhalten und zwischendurch Ruhephasen einlegen. Alle Mitspieler sind auf euch angewiesen. Für mich persönlich heisst das: Spielsitzungen an einem Freitag nur noch in Ausnahmefällen. Samstage und Sonntage werden von mir bevorzugt.

Analog oder digital?

Hier soll es nicht um die Spielrunde an sich gehen, sondern lediglich um die Leitung. Mit Online-Angeboten wie Roll20 oder Fantasy Grounds habe ich zu wenig Erfahrung, um eine begründete Meinung abzugeben. Für mich persönlich gehört das physische Zusammensein mit Pizza, Softdrinks und Snacks aber mit zum Rollenspiel-Gefühl.

Das Thema Computer oder Notizblock ist bei der Vorbereitung und Durchführung des Spielabends vermutlich die größte Entscheidung, die man treffen muss. Ich habe beide Wege ausprobiert und halte für mich das Leiten mit dem Laptop für den besseren Weg. Die technischen Möglichkeiten, schnell nach Stichworten zu suchen, die Texte mit Querverweisen zu versehen und schnell zwischen allen Dokumenten wechseln zu können, sind für mich mittlerweile unverzichtbar. Manch einer mag anmerken, dass dadurch das klassische „Pen and Paper“ Gefühl verloren geht; ich persönlich empfinde das aber nicht so. Vor allem, da wir nach wie vor analog würfeln und auch völlig normal Skizzen von verschiedenen Situationen auf Papier anfertigen. Vor allem das physische Würfeln sollte aus meiner Sicht niemals wegrationalisiert werden.

Damit steht nun fest, dass bei mir sowohl die Vorbereitung als auch die Leitung selbst softwaregestützt ablaufen. Im Folgenden will ich zunächst ein wenig zu meinem Vorgehen an sich schreiben und im Anschluss auf die verwendete Software zu Sprechen kommen.

Wo fange ich an?

Eines muss ich vorausschicken: Man bereitet nicht zu jeder Spielsitzung ein völlig neues, unabhängiges Abenteuer vor; gerade beim Spielen von längeren Kampagnen gilt es, sich Stück für Stück durch den großen Plot der Geschichte zu arbeiten. Dafür halte ich es für unabdingbar, dass man zu Beginn einer Kampagne oder eines Abenteuers, was auf mehr als einen Spielabend ausgelegt ist, die gesamten Materialien durchliest. Es ist für die Vorbereitung und Ausgestaltung der einzelnen Abschnitte enorm wichtig, dass man einen Überblick über den gesamten Handlungsbogen hat. Ansonsten läuft man Gefahr, sich in Sackgassen zu manövrieren oder in Widersprüche zu verstricken.

Eine typische Sitzungsvorbereitung am Samstagnachmittag

Bei der Vorbereitung auf die nächste Spielsitzung (sei es nun der nächste Abschnitt einer Kampagne oder ein Einzelabenteuer) starte ich ganz einfach mit dem logischsten Schritt: Lesen! Lesen, markieren und Notizen machen! Jeder kennt seine eigene Spielgruppe am besten und wenn schon beim Lesen Situationen auffallen, die zu Problemen führen können, sollte man sich das direkt merken. Ein klassisches Beispiel: Meine Cthulhu-Runde ist äußerst detailversessen und jede kleinste Erwähnung von irgendwelchen Dingen können Handlungen und Ermittlungen nach sich ziehen, die die Story nicht voran bringen. Hier entscheide ich schon zum jetzigen Zeitpunkt spontan, ob ich solche Erwähnungen streiche, kürze oder zulasse und mir im Anschluss noch einen Zusatzplot überlege.

Ist die erste Sichtung abgeschlossen, übertrage ich den Plot in meinen eigenen Worten auf den Rechner. Es kommt nicht selten vor, dass sich hier auch noch einmal wichtige Punkte ergeben, die man vorher nicht auf dem Schirm hatte (z.B. versteckt in Beschreibungen von NSCs). Dabei gliedere ich die Abschnitte nicht zwingend so wie in der durchgearbeiteten Vorlage, sondern fasse sie in für mich passende Häppchen zusammen. Kriterien hierfür sind zum Beispiel der Ort der Handlung, die Zeit der Handlung, beteiligte Personen oder – ganz wichtig – die Übersichtlichkeit des Textes. Ich achte darauf, dass kein zusammengefasster Text länger als anderthalb Bildschirmseiten in angenehm zu lesender Schriftgröße sind. Wird diese Länge überschritten, teile ich den Text auf.

Das Ergebnis sollte eine übersichtliche Zusammenfassung des Plots mit eigenen Ergänzungen zu möglichen Handlungsalternativen sein.

Wie mache ich weiter?

Ist der Plot mit möglichen Verästelungen aufgeschrieben, so markiere ich mir in diesem Text wichtige Informationen, Personen oder mögliche Proben. Bei wichtigen oder umfangreichen Themen (zum Beispiel größer angelegte NSCs) lagere ich diese aus und ersetze die Informationen im Text durch einen Verweis auf die neue Seite.

Nun gilt es als letztes, den zusammengefassten Plot durchzugehen und zu schauen, ob externe Materialien oder Informationen beim Leiten hilfreich sein könnten. Dies umfasst zum Beispiel Dinge wie:

  • Handouts für die Spieler
  • Grundrisse, Beschreibungen, Hintergrundinformationen von besuchten Orten
  • Daten und Werte von auftrenden NSCs
  • Kampfwerte und Sonderregeln zu Monstern
  • Bei selten auftretenden Situationen: Verweise auf die entsprechenden Stellen des Regelwerks zum Klären von eventuell aufkommenden Fragen
  • Preislisten (Läden, Hotels, öffentliche Verkehrsmittel, etc.)

Darüberhinaus haben mir folgende Dinge immer einen guten Dienst erwiesen:

  • Liste von Namen, um spontan eingebauten NSCs passende Namen zu geben
  • Je nach System und Szenario eine Liste von Adjektiven zum beschreiben von Orten, Gefühlen, Empfindungen, etc. (bei Cthulhu bietet sich beispielsweise eine Liste von Kurzbeschreibungen an, die dabei hilft den Spielern das Grauen ihrer Ermittler näher zu bringen)

Für die Sitzung selber kann man sich noch Gedanken um eine passende musikalische Untermalung machen. Ich bin mittlerweile aus Komplexitätsgründen von dem Einspielen von Soundeffekten abgerückt und wähle entweder länger laufende Ambient-Sounds (zum Beispiel „Stadt im Regen“) oder sphärische Klänge zur Hintergrundbeschallung.

Schön gestaltete Handouts unterstützen die Atmosphäre am Tisch

Die Software

Ich habe über die Zeit vieles probiert: Mind Maps, Word-Dokumente, One Note Notizen, ein Wiki, etc. pp. Vieles davon, was sich zur Vorbereitung eignet, lässt sich nicht so gut am Abend selber einsetzen und vieles, was beim Leiten viele Erleichterungen bietet, ist bei der Vorbereitung zu aufwändig. Ich habe meine Tools mittlerweile auf die folgenden eingedampft.

Scrivener

Scrivener ist eigentlich ein Programm für Schriftsteller, trifft aber mit seinen Features genau meine Anforderungen an ein Tool für Spielleiter. Ich bilde das zu spielende Abenteuer chronologisch in eigenen Kapiteln, Unterkapiteln, etc. ab, kann eigene Dokumente für NSCs, Orte, Handouts, Sitzungsprotokolle, Charakterbögen und Notizen anhängen und kann Hervorhebungen und Querverweise einfügen. Für eine vergangene Spielsitzung sieht das z.B. so aus:

Das Scrivener-Projekt meiner laufenden Kampagne

Man erkennt links die Navigationsstruktur durch das Abenteuer und alle benötigten Informationen im Schnellzugriff (NSCs, Orte, Notizen, …). Auf der rechten Seite gibt es die Plot-Zusammenfassung samt Hervorhebung von wichtigen Informationen. In Scrivener verbringe ich während der Spielsitzung die meiste Zeit.

Scapple

Scapple ist ein schlichtes Mind Mapping Tool. Ein Doppelklick fügt einen Text hinzu, das Ziehen eines Textes auf einen anderen verbindet die beiden. Und das ist es schon. Hier habe ich situationsabhängig entweder den Plot mit möglichen Verästelungen oder aber eine Liste von Orten mit ihren gegenseitigen Verbindungen visualisiert. Das Tool hilft mir also eher beim Behalten der Übersicht über den gesamten Plot bzw. einen großen Teil davon als bei der konkreten Interaktion mit den Spielern.

Spuren- und Hinweisdiagramm für ein Cthulhu-Abenteuer

Spotify

Ziemlich selbsterklärend: Spotify benutze ich zum Abspielen der Hintergrundmusik auf meiner Anlage. Dafür lege ich entsprechende Playlists an und bestücke diese entweder mit eigenen Dateien oder füge Stücke aus dem Angebot von Spotify hinzu.

Sonstiges

Für schnelle Recherchen im Internet habe ich immer ein Browser-Fenster geöffnet. Ebenfalls immer offen sind das Grundregelwerk des jeweiligen Systems und die offizielle Veröffentlichung des gespielten Abenteuers als PDF.

Was Es sonst noch zu sagen gibt

Ich hoffe, ich habe mit meinen Ausführungen einen kleinen Einblick in meine Sitzungsvorbereitungen geben können. Eventuell könnt ihr den ein oder anderen Tipp für euch mitnehmen. Es würde mich freuen :).