Vergangene Woche veröffentlichte die bildundtonfabrik (btf; die Produktionsfirma hinter dem Neo Magazin Royale) ihr drittes Computerspiel. Waren das Game Royale und das Game Royale 2 noch mehr oder minder Hobbyprojekte enthusiastischer Mitarbeiter, zog man das aktuelle Spiel etwas größer auf. Der Entwicklung von Trüberbrook – so der Name des Spiels – ging eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne voraus; gefördert wurde die Entwicklung zusätzlich vom medienboard BerlinBrandeburg. Ich habe das klassische Point-and-Click-Adventure nun durchgespielt und bleibe mit gemischten Gefühlen zurück.

Wir schreiben das Jahr 1967: Als Spieler schlüpft man in die Rolle von Hans Tannhauser, einem US-amerikanischen Quantenphysiker, welcher durch einen Lotteriegewinn einen Aufenthalt mitten in der deutschen Provinz – dem malerischen Luftkurort Trüberbrook – gewonnen hat. Nachdem man vom Reisebus vor dem Ort abgesetzt wurde, durchqueren wir das mehr als ruhige Dorf um im Hotel „Waldeslust“ einzuchecken. Dieses wird von Trude geleitet, welche zusammen mit ihrer Tochter Leni in Trüberbrook wohnt. An der Rezeption des Hotels treffen wir auch auf Greta Lemke. Sie ist ebenfalls nur zu Besuch und auf der Suche nach Überresten eines alten proto-germanischen Kults, von welchem sie in ihrem Paläantologie-Studium gehört hat. Als in der ersten Nacht eine geisterhafte Person in Tannhausers Hotelzimmer auftaucht und seine Forschungspapiere stiehlt, ist es auch schon vorbei mit dem Entspannungsurlaub. Irgendetwas stimmt in diesem Dorf ganz und gar nicht.

Über jeden Zweifel erhaben sind die Grafik und die musikalische Untermalung des Geschehens. Für die Hintergründe setzt die btf auf die Technik der Photogrammetrie, welche Spielern z.B. aus The Vanishing of Ethan Carter aus dem Jahre 2014 bekannt sein könnte. Jedoch haben die Entwickler von Trüberbrook keine realen Orte abfotografiert und digitalisiert, sondern in Handarbeit viele, kleine Modellbausets erstellt und in verschiedenen Konfigurationen für das Spiel aufgenommen. Dieses Making-Of gibt einige spannende Einblicke. Der Soundtrack erinnert in Stimmung und Machart an den von deutschen Serienproduktionen wie Der Tatortreiniger oder Stromberg, nur ein wenig ruhiger und psychodelischer. Die Sprecher sind eine bunte Mischung aus professionellen Größen und markanten Stimmen von Angestellten der btf; leider hört man den Unterschied zwischen Profis und Amateueren schnell heraus. Die Kombination aus Grafik, Soundkulisse und der Story versprühen starke „Twin Peaks„- und „Akte X„-Vibes. Eine Atmosphäre, in die ich einfach und gerne eintauche!

Es gibt aber leider auch Dinge, die mir an Trüberbrook überhaupt nicht gefallen:

  • Die Rätsel sind für meinen Geschmack zu einfach. Oft ist die Lösung offensichtlich; was vor allem an dem nächsten Punkt liegt.
  • Im Vergleich zu anderen Adventures sind die Orte und Hintergründe sehr detailarm (im Sinne von: Es gibt oft nur wenige Hotspots zum Interagieren).
  • Es gibt kein Inventar und auch keine Inventarrätsel; Gegenstände werden am richtigen Hotspot direkt zur Benutzung vorgeschlagen. Selber rätseln, was man wie kombinieren oder benutzen kann, muss man nicht.
  • Es gibt kein freies Speichern; stattdessen speichert das Spiel selbstständig an nicht sichtbaren Checkpoints.

Fazit: Adventure-Fans machen nichts falsch und finden hier ein paar Stunden angenehme, gut produzierte Unterhaltung. Alle anderen sollten sich vor dem Kauf lieber die ersten Spielminuten in einem Let’s Play anschauen.