Classic Replay: Phantasmagoria

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Classic Replay ist ein kleines Hobby von meinem Kumpel Chris und mir. Wir schnappen uns alte Adventure-Spiele, verabreden uns im Discord und zocken diese zusammen durch. Neben dem Schwelgen in alten Spielerinnerungen bietet sich hier auch die Chance zum Nachholen von alten, bisher schändlicherweise noch nicht gespielten Klassikern des Genres.

Nach dem letzten Spiel, was Chris sich aussuchen konnte, bin ich nun wieder an der Reihe gewesen. Ich habe mir ein waschechtes FMV-Adventure gewünscht: Phantasmagoria von Sierra. Der erste Teil (es gibt noch einen weiteren Teil mit dem Namen „Labor des Grauens“) erschien im Jahre 1995 und entstammt der Feder von Roberta Williams. Das Spiel verbindet klassiche Point-and-Click-Elemente mit (für damalige Verhältnisse) aufwändigen Videosequenzen. Anders als die meisten anderen Adventures, die wir bisher gespielt haben, nimmt sich Phantasmagoria durch und durch ernst und verzichtet vollkommen auf auflockernden Humor. Das Spiel ist als Horror-Spiel für Erwachsene konzipiert und geizt nicht mit expliziten Darstellungen und unangenehmen Szenen. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass auf Grund der veralteten Technik und dem deutlich in die Jahre gekommenen Gameplay die ursprüngliche Faszination nur noch zu erahnen ist. Vieles wirkt unfreiwillig komisch – bis auf die Splatter-Szenen: Diese stehen in ihrer Explizitheit heutigen Filmen und Spielen des Genres in nichts nach. Die Story allerdings – eigentlich eine der Stärken von Roberta Williams – kann auch damals nicht sonderlich logisch gewesen sein… mehr als ein Dutzend mal möchte man sich bei den Dialogen und Geschehnissen an den Kopf fassen.

Apropos Story: Als Spieler begleiten wir die Autorin Adrienne Delaney und ihren Ehemann Don bei ihrem Umzug in ein Herrenhaus nahe des Küstenstädtchens Nipawomsett in New England. Vorbesitzer dieses Hauses war ein berühmter Magier namens Zoltan Carnovasch, dessen Frauen alle auf mysteriöse Weise ums Leben kamen. Adrienne will in diesem Herrenhaus Inspiration für ihren neuen Roman finden. Ohne zuviel zu verraten: Die findet sich auch, vermutlich mehr als ihr lieb ist :). Denn das Herrenhaus und auch Zoltan bergen so einige finstere Geheimnisse.

Ich habe Phantasmagoria genossen – allerdings nicht wegen der spielerischen Qualität, sondern weil man sich tierisch über die heute absurd wirkenden Mechaniken, Rätsel und Story-Sequenzen amüsieren kann. Lediglich beim Finale, was aus schier endlosem Trial-and-Error bestand, kam einiges an Frust auf. Insgesamt haben wir knapp fünf Stunden für einen Durchlauf gebraucht. Mal wieder haben wir problemlos mit der GOG-Version gespielt.

Für Fans klassischer Horror- und Splatterfilme und ausgefallenen Adventures ist das Spiel einen Blick wert; andere können sich das Erlebnis ehrlicherweise sparen :).

Mehr Infos: Phantasmagoria bei MobyGames