Um genauer zu sein: Seit Michel Ancels Rayman Legends aus dem Jahre 2013. Die Rede ist von der momentanen Indie-Sensation Celeste von dem Team, welches auch schon mit dem Multiplayer-Kampfspiel Towerfall: Ascension auf sich aufmerksam machte. Matt Makes Games präsentiert mit dem 2D-Platformer im Retro-Pixellook ihr meiner Meinung nach bisher stärkstes Spiel.

Wir schlüpfen in die Rolle des jungen Mädchens Madeleine, welches den Celeste Mountain besteigen will. Dies ist kein normaler Berg: Während des Aufstiegs erwarten die abenteuerlustige Bergsteigerin allerlei körperliche Gefahren und Sinnestäuschungen. Immer wieder trifft sie während der Besteigung auf diverse Charaktere, deren Auftritte und Absichten mehr als merkwürdig anmuten.

Die Steuerung ist simpel: Madeleine kann laufen, springen, dashen und klettern. Nach einem erfolgten Dash in eine der acht möglichen Richtungen, muss sie zunächst wieder festen Untergrund unter die Füße bekommen, ehe sie wieder Dashen kann. Angezeigt wird der aktuelle Dash-Status über die Haarfarbe der Protagonistin: Bei rot ist der Dash verfügbar, bei blau muss er zunächst wieder aufgeladen werden. Das Klettern ist an allen senkrechten Flächen möglich, solange der entsprechende Knopf auf dem Controller gedrückt wird. Nach einiger Zeit wird Madeleine jedoch müde und muss loslassen. Kurz bevor es soweit ist, warnt das Spiel den Spieler mit einer rot blinkenden Spielfigur.

Und das war es schon. Die spielerische Tiefe ist nicht direkt ersichtlich. Man kann nicht schießen, nimmt keine Items auf, verbessert nicht seine Fertigkeiten oder sammelt Power-Ups ein. Stattdessen stirbt man. Hunderte Male. Bis man schließlich den Berg erklommen hat. Und das ist keinesfalls frustrierend oder langweilig. Das grandiose Leveldesign lässt den Spieler verstehen: „Das war jetzt dein Fehler, ich kann nichts dafür“ – und es stimmt. Das Spiel ist nie unfair oder setzt auf Glück beim Spielen; stattdessen lässt sich jedes Level mit einer (zugegebenermaßen steilen) Lernkurve Stück für Stück erspielen. Darin erinnert mich Celeste an From Softwares Souls-like Spiele, in denen die Gegner auch nie unfair agieren sondern mit Können und guter Beobachtung besiegt werden können. Ein anderer, vermutlich passenderer, Vergleich ist Super Meat Boy. Die Level werden ähnlich schwer und auch hier ist das Scheitern Teil des Spielkonzepts. Nach dem Ableben startet man direkt am Eingang des Bildschirms neu – keine Ladezeiten oder Game Over Screens. Gerade wenn der aktuelle Abschnitt Gefahr läuft zu eintönig zu werden, führt Celeste neue Levelmechaniken wie den bösen Zwilling, der zeitversetzt alle deine Aktionen wiederholt und dich bei Berührung tötet, oder Tunnel für längeres Dashen ein. Darüberhinaus gibt es in jedem Abschnitt eine gewisse Anzahl von einsammelbaren Erdbeeren und eine Audiokassete zum Freischalten einer schwierigeren Version der Welt zu holen.

Ich möchte dieses Spiel (erschienen für alle Konsolen und dem PC) jedem Platformer-Fan ans Herz legen!