Das erste Mal mit „Villen des Wahnsinns“ in Berührung kam ich zu Halloween 2012. Ich hatte mir das Spiel gekauft und wir wollten das zusammen in einer kleineren Runde spielen. Leider hatte ich mir vorher die Regeln nicht angeschaut und war nicht wirklich vorbereitet; wir alle waren der Meinung, dass man das Spiel trotzdem on-the-fly lernen könnte. Das funktionierte aber nur sehr schleppend und wir brachen nach einiger Zeit ab. Nach eingehender Lektüre der Regeln habe ich es dann in unterschiedlicher Besetzung noch ein paar mal gespielt, jedoch habe ich bis heute nicht alle enthaltenen Abenteuer gesehen. Insgesamt war das Regelwerk dieser ersten Edition des Spiels sehr klobig und verbesserungswürdig. Nun ist vor einigen Monaten die zweite Edition veröffentlicht worden; und sie war und ist noch immer heiß begehrt: Ausverkauft auf der SPIEL in Essen und bei Amazon und Co. nur zu horrenden Preisen zu haben. So dauerte es bis vergangene Woche, als sich ein Freund die zweite Edition zulegte und wir das erste Abenteuer zu zweit spielen konnten.

Während sich der Geschäftsmann hinten mit dem Butler des Hauses unterhält, erforscht mein Totengräber alleine die weiten Flure des Anwesens.

Für diese Edition wurden die Regeln komplett überarbeitet und neue Geschichten kreiert. Die massivste Änderung ist die zum Spiel dazugehörende App, welche den größten Teil der Regeln (Wechsel zwischen Spieler- und Monster-/Mythosphase und das Bewegen der Monster) und des Kartenaufdeckens übernimmt und die Story vorantreibt (in großen Teilen sogar vertont!). Die Rolle des Bewahrers aus der ersten Edition, die dort noch von einem Spieler übernommen werden musste, entfällt damit komplett. Mir gefällt diese Änderung sehr gut, so können wirklich alle Spieler zusammen ein unbekanntes Abenteuer erleben. Besonders gut gefällt mir auch die Tatsache, dass das Spielbrett nicht von Beginn an offen liegt, sondern erst durch das Öffnen einer Tür weiter aufgedeckt wird. Die App gibt entsprechende Anweisungen. Als weiteres neues Feature kommt der Dialog mit NPCs hinzu: Werden diese angesprochen, übernimmt die App die Dialogführung. Wie in Adventure-Spielen kann man einen Dialogbaum abarbeiten und ggf. neue Hinweise finden oder bestimmte Gegenstände erhalten.

Da hat sich mein Totengräber wohl zu weit vorgewagt: Er platzt im Garten des Anwesens mitten in ein Ritual zwielichtiger Kultisten.

An den Zug- und Aktionsregeln hat sich nichts gravierendes geändert: Nach wie vor kann man mit seinem Charakter zwei Aktionen pro Runde ausführen und muss ggf. Horror- und Ausweich- oder Fähigkeitsproben ablegen; diese werden normal ausgewürfelt und das Ergebnis dann in die App eingetragen, die über den Ausgang der Situation berichtet. Man kann auch wieder Gegenstände und Zauber finden, aufnehmen und wirken. Schaden wird nach wie vor in körperlichen und geistigen Schaden unterteilt. Sinkt einer der beiden Werte auf 0, so bekommt man einmalig einen deutlichen Malus zugeordnet (bei Verwundungen schränkt z.B. ein gebrochenes Bein die Bewegungsaktionen ein und bei Wahnsinn verfällt man etwa in Pyromanie) und die Werte werden zurückgesetzt. Erreicht man ein zweites Mal das Limit an Schaden, ist man aus dem Spiel und das Abenteuer gilt für alle als verloren.

Für mich persönlich ist diese Neuveröffentlichung eine starke Verbesserung zur ersten Edition und jeden Cent wert.