TIS-100 ist die Kurzform von Tessellated Intelligence System 100, einer Mehrkern RISC-Computerarchitektur aus dem Nachlass unseres verstorbenen Onkels. Unsere Tante Doris hat diesen Rechner in der Garage ihres Gatten kurz nach dessen Tod gefunden und bittet uns Nachforschungen anzustellen, um mehr über die letzten Arbeiten des Verstorbenen zu erfahren. Leider ist der Computer in keinem guten Zustand, sodass wir uns die Bedienungsanleitung (die Informationen über die Architektur des Systems und die Assembler-Befehle beinhaltet) schnappen müssen, um kleine Programme zum Debuggen des Systems zu schreiben.

Soweit die Story – im Spiel selber betrachtet man den eingebauten Code-Editor samt Debugger und implementieren Lösungen zu  (in der Schwierigkeit rasch ansteigenden) Aufgaben. Die Spieloberfläche ist sehr übersichtlich und funktional aufgebaut: Das System ist unterteilt in 12 Nodes (darunter Execution Nodes und Stack Memory Nodes), die den meisten Platz auf dem Bildschirm einnehmen; jede Node verfügt über genau ein Register für den direkten Zugriff. Rote Nodes sind für die aktuelle Aufgabe gesperrt. Auf der linken Seite sehen wir außerdem noch (von oben nach unten) die Aufgabenbeschreibung, Konsolenausgabe und Bedienelemente für die Steuerung des Debuggers. Der Befehlssatz und eine Beschreibung der Architektur gibt als schön aufgemachtes PDF-Dokument, welches ausgedruckt und in Reichweite zum Rechner platziert werden sollte. Außerdem ist es möglich, eigene Aufgaben zu verfassen und an andere Spieler zu verschicken. So ist für unendlich Nachschub gesorgt.

Die Aufgaben reichen von einfachen Einstiegsaufgaben wie „Schreibe den Inhalt von Register A in Register B“ oder „Addieren die Inhalte von Register X und Y und schreibe das Ergebnis in Register Z“ bis hin zu fordernden Aufgaben wie „Lese die Eingabesequenz ein und schreibe den am häufigsten vorkommenden Wert in Register A“. Mir macht das Spiel unglaublich viel Spaß. Je nach Aufgabe ist es auch perfekt zum Knobeln zwischendurch. Wie hoch die Eingangshürde oder der Schwierigkeitsgrad für nicht Programmier-affine Menschen einzuschätzen ist, kann ich leider absolut nicht beurteilen. Es gibt inzwischen auch einen Quasi-Nachfolger, der sich mehr um die Hardware-Seite und Schaltungen dreht (SHINZHEN I/O). Das wohl bekannteste Spiel der Entwickler von Zachtronics ist SpaceChem – ebenfalls ein komplexes Knobelspiel; dort arrangiert man kleine Maschinen um chemische Verbindungen zusammenzubauen.