Vorgestern Abend war ich zu Besuch bei der „Zurück Gespult“-Tour von Radio Nukular in Bochum. Radio Nukular ist ein Podcast-Projekt, welches Mitte 2014 von Christian Gürnth (gameswelt), Max  „Rockstah“ Nachtsheim und Dominik Hammes (Medien-KuH) ins Leben gerufen wurde. Die drei beschäftigen sich hauptsächlich mit Themen wie Comics, Filmen, Videospielen, Spielzeug und anderen Produkten, die sie seit Kindheitstagen konsumieren. Dazu passt auch der Untertitel des Podcasts: „Der Vergangenheitsbewältigungspodcast“. Mittlerweile ist das Projekt zum Netzwerk angewachsen, das mehrere Podcast-Projekte aus dem näheren Umfeld der drei Gründer vereint.

Und nun also eine Live-Tour quer durch Deutschland. Ich war gespannt, was mich da erwarten würde – die Berichte aus der letztjährigen Mini-Tour hörten sich sehr vielversprechend an. Donnerstag bin ich direkt nach der Arbeit los Richtung Bochumer Christuskirche (auf dem Ticket steht tatsächlich „Sitzplatz: Kirchenbank“); da ich trotz massiver Probleme bei der Parkplatzsuche (die gesamte Bochumer Innenstadt ist eine einzige Baustelle) schon gegen 17:50 mein Auto abgestellt hatte, hatte ich noch einige Zeit totzuschlagen. In der Nähe des City Points gab es erstmal einen Burger mit Pommes zum Abendessen.

Der Einlass zur Show begann zwar erst um 19 Uhr, jedoch bildete sich schon einige Zeit vorher eine Schlange, die noch bis zum Bochumer Ring von der Kirche aus weg wachsen sollte. Ich war relativ früh da und stand im vorderen Drittel. Allerdings galt es dann auch noch gut eine Dreiviertelstunde auf den Einlass zu warten. Ich sage mal so: Noch etwas länger und ich wäre vermutlich erfroren. Dafür konnte ich in der – leider nur sehr spärlich beheizten – Kirche in der dritten Reihe Platz nehmen. Die drei Protagonisten des Abends betraten pünktlich gegen 20 Uhr die Bühne. Was folgte war eine muntere Mischung aus persönlichen Anekdoten, jeder Menge Nerd-Kram und allerlei Insidern; alles rund um das zentrale Thema Videotheken (die Bühne war aufgemacht wie eine) und VHS-Kassetten. Das Sympathische: Man merkte den dreien ihre Nervösität richtig an – bis auf Max sind sie schließlich das Agieren auf der Bühne vor Publikum nicht gerade gewohnt. Noch nervöser war allerdings der freiwillige Helfer aus dem Publikum, welcher sich nicht nur einem knallharten Interview von „Radio Kugelblitz“-Star Benny Borg stellen musste, sondern die drei Podcaster auch während der Show mit Soundeffekten und Körperkraft (beim Umräumen) unterstütze. Die drei haben zu Beginn gesagt, dass der Freiwillige ein dickes Fell haben müsse – dies hat sich bestätigt: Er war Projektionsfläche für allerlei Vorurteile, derbe Witze und mehrdeutige Anspielungen (insbesondere bezüglich seines Migrationshintergrundes). Wer die Jungs nicht kennt, dem könnte das ein wenig übel aufgestoßen sein. Chem (so der Name des Freiwilligen) besaß aber das besagte dicke Fell und auch die geschenkte WiiU am Ende der Show dürfte ihn ausreichend entschädigt haben.

Das Bühnenprogramm wirkte nicht nur bezüglich Chem sehr spontan, aktuell und auf den Abend bezogen, sondern auch die Location bekam ihr Fett weg: Witze über das Ruhrgebiet und die Institution Kirche trugen ebenfalls zu einer sehr guten Stimmung bei. Und dann war da natürlich noch viel mehr, was ich hier nur kurz anreissen kann: Anschauen von herrlich trashigen (real existierenden!) VHS-Trailern, das Vortragen eines Hörspiels und das „Schweden“ (Nachdrehen eines Filmsplots mit begrenzten Mitteln) von Braveheart – siehe auch hier (ein Video von Bochum existiert leider noch nicht außerhalb Snapchats).

Fazit: Mir hat es riesigen Spass gemacht, die drei mal live zu erleben. Als Andenken habe ich mir auch direkt mal ein Plakat am sich schnell leerenden Merchandise-Stand besorgt. Tour 2017? Gerne wieder.