Für mich ist die gamescom bereits heute zuende, obwohl am heutigen Sonntag interessierte Gamer noch bis 18 Uhr durch die Messehallen schlendern können. Ich für meinen Teil bin mit meinen beiden Besuchen am Donnerstag und am Samstag vollends bedient. Des ganzen Spaßes und der Event-Atmosphäre zum Trotz, ist die Messe vor allem eines: Anstrengend! Das liegt meiner Meinung nach vor allem an dem katastrophalen Zustand, dass jeder Stand mit Spielen mit einer USK-Freigabe „ab 16 Jahren“ oder höher, nicht offen gezeigt werden darf. Zusammen mit den vielen Menschenmassen ergeben sich so vor diesen Ständen lange Schlangen, an denen man sich stundenlang die Beine in den Bauch stehen kann (mein diesjähriger Rekord waren knappe drei Stunden für Tomb Raider bei Square Enix). Stellt man sich nicht an und nimmt die Wartezeit nicht in Kauf, bekommt man so gut wie gar nichts zu sehen. Seit Jahren bin ich persönlich ja schon für spezielle „ab 18 Jahren“- und „ab 16 Jahren“-Hallen, wo die Stände dann wesentlich offener gestaltet werden können. Aber das scheint ja technisch nicht umsetzbar oder nicht gewollt zu sein. Bei aller Wut darüber, muss man die Messeveranstalter dieses Jahr aber auch in einigen Punkten loben. Zum einen war in den Gängen zwischen den Ständen wesentlich mehr Platz und es wurden mehr Ruhepunkte gesetzt (was wahrscheinlich nur auf Grund des Fehlens von Nintendo und Microsoft möglich war). Die Begrenzung der Kartenkontingente und das knallharte Schließen der Kassen bei Ausverkauf entlastete die Messehallen. Auch der neue, zusätzliche Eingang durch Halle 11 half dabei, die Massen über die Messe zu verteilen.

Ein Problem, was ich mit den Ausstellern habe, ist die hohe Lautstärke ihrer Publikumsshows. Besonders negativ fielen mir dieses Jahr die Stände von Roccat und Razor auf, welche bei Ihren Bühnenshows die Lautstärke-Grenze des Erträglichen locker überschritten. Selbst in einem abgetrennten Raum auf der anderen Seite der Halle, hatte ich Mühe dem Vortrag über Tomb Raider zu lauschen, da besagte Firmen immer wieder Mousepads („Weltpremiere!“) und ähnlichen Kram unter Lobeshymnen in die Menge warfen oder irgendwelche Tanz-Choreografien unter undefinierbarem Hip Hop zur Schau stellten. Das es auch anders und wesentlich gesitteter und sinnvoller geht, zeigten beispielsweise die Moderatoren von Game One dreimal täglich auf ihrer Bühne von LG Electronics in Halle 10. Kein sinnentleertes Gekreische und Gebrülle, sondern zum Thema der Messe passende Aktionen mit Zuschauern aus dem Publikum auf der Bühne. Beispielsweise das aus der Fernsehsendung bekannte Beef (u.a. mit den Spielen Bomberman und Street Fighter vs. Tekken) oder dem Nerdquiz, wo spielespezifische Fachfragen gestellt wurden. Dort wäre eine größere Bühne mit mehr Freiraum angebracht gewesen. Apropos Spielemesse, die Spiele in diesem Jahr waren zwar nicht so vielseitig wie in den vergangenen Jahren, jedoch konnte ich einige anspielen und präsentiere meine kleine Top 3, gefolgt von einigen weiteren Titeln, die ich interessant fand.

Platz 3 – XCOM Enemy Unknown. Das Remake des Originals UFO Enemy Unknown aus dem Jahre 1994 kommt von keinem geringeren Entwickler als Firaxis (u.a. Civilization-Reihe). Die hohen Erwartungen, die ich an das Spiel gestellt habe (ich liebe das Original!), wurden nach einer 45-minütigen Anspielsession nicht enttäuscht! Die Umgebung, wie Fahrzeuge und sonstige Deckung, lässt sich zerstören oder mit explosiver Munition sprengen und verändert somit den taktischen Charakter der Map. Spezielle Features wie das Dauerfeuer, das schnelle Spurten, die Mindcontrol oder die Tatsache, dass kampfstarke Angriffseinheiten zweimal hintereinander feuern dürfen, moderinisieren das Spiel auf sinnvolle Weise und machen es (trotz nach wie vor vorhandenem rundenbasiertem Unterbau) zumindest gefühlsmäßig wesentlich schneller. Dazu trägt auch die dynamische Kameraführung ihren Teil bei, wenn sie bei bestimmten Aktionen in die Verfolgerperspektive schaltet oder bei Alien-Aktivitäten in die Ego-Perspektive des Gegner wechselt. Die Steuerung ist ohne jeglichen Makel, ich habe mich nach ein paar Minuten sehr gut eingefunden. Einen feinen Zug fand ich es, dass die erste Mission, die man spielen konnte, in Deutschland – genauer gesagt in Hamburg – spielte. Deutsch sprechende Opfer, deutsche Nummernschilder und Werbeplakate inklusive. Sehr schön.

Platz 2 – Tomb Raider. Drei Stunden anstehen am Square Enix Stand haben sich hier wirklich gelohnt, bekamen wir nämlich knapp 45 Minuten lang kommentierte Gameplay-Szenen live vorgeführt und so einen tieferen Einblick in das Prequel. Ausserdem durfte man im Anschluss auch noch selber zum Controller greifen und Lara durch einen ersten Level steuern. Die Tatsache, dass ganz klar von „keiner Open World“ gesprochen wurde, beruhigt mich ebenso sehr wie die Tatsache, dass trotz vieler Action- und Kampfeinlagen das Klettern nicht zu kurz kommt. Rätsel haben wir in der Präsentation leider keine gesehen, ich hoffe das sich das ganze nicht auf simple und logisch fragwürdige Schalterrätsel beschränken wird. Alles in allem wird die Welt jedoch auch nicht so schlauchförmig wie in den Vorgängern sein. So kann Lara beispielsweise an Lagerfeuern rasten und diese so für eine Schnellreisefunktion über die Inselkarte benutzen. Am Lagerfeuer hat sie ausserdem die Möglichkeit ihre Waffen und Werkzeuge zu verbessern und (Achtung!) erhaltene Erfahrungspunkte in ihre Fähigkeiten zu investieren. Die Erfahrungspunkte erhält Lara zum Beispiel wenn sie wilde Tiere oder Gegner erlegt oder ihre Questziele erfüllt. Das Ganze läuft aber eher nebenbei und automatisch, man braucht keine Angst zu haben, dass es zu sehr Rollenspiel wird. Inszenatorisch orientiert sich dieser Tomb Raider Teil ganz klar am Genre-Primus Uncharted: Viele gescriptete Sequenzen, viele Actioneinlagen und gut geschnittene und vertonte Dialoge. Dialoge? Ja, denn Lara ist nicht die einzige Überlebende des Schiffunglücks und außerdem scheinen schon vor ihr Leute auf die Insel gekommen zu sein. Schade, dass das Spiel erst im Frühjahr 2013 erscheint!

Platz 1 – Dishonored. Bis wenige Wochen vor der Messe hatte ich noch gar nichts von diesem Spiel gehört. Dabei wird es, so hat es sich mir jedenfalls beim Anspielen gezeigt, ein echter Geheimtipp! In einer dystopisch anmutenden Steampunk-Variante von London verkörpert man einen Assassinen, welcher mit vielen Gadgets und Fähigkeiten bei den Oberen der korrupten Regierung aufräumen muss. Viel über die Story kann ich nicht sagen, wohl aber über das Gameplay und ein wenig über das Art Design. Letzteres wirkt wie eine Mischung aus Bioshock, Half-Life 2 und Thief – wunderbar stimmig und herrlich düster. Die Fähigkeiten des (aus der Ego-Perspektive gesteuerten) Hauptcharakters wirken ebenfalls sehr durchdacht und aufeinander abgestimmt. Beispielsweise kann er mit Ratten Wachen ablenken, um sich dann mit einem Satz hinter sie zu teleportieren und sie dann mit einem Messer zu töten. Oder aber er kann mit Pfeilen die Umgebung manipulieren und so beispielsweise eine brennende Laterne auf einen Gegner fallen lassen. Er kann die Zeit verlangsamen, in den Körper eines Gegners fahren, um ihn zu kontrollieren, er kann … er kann … usw.. Die möglichen Vorgehensweisen sind enorm unterschiedlich, was einen frischen Wind in das Genre-Einerlei bringt. Am besten ist Dishonored – so ist mein Messe-Eindruck – zu beschreiben als „ein der Perfektion nahes Dark Messiah of Might and Magic„. Ich habe es noch am gleichen Tag vorbestellt.

Weitere Spiele, von denen ich positiv überrascht war (über die ihr euch aber aus Zeitgründen selber informieren müsst ;-)) sind die folgenden: Lego Herr der Ringe, Jack Keane 2, Geheimakte 3, Mickey Epic 2, Sim City (!), Game Globe, Star Trek. Ich habe leider weder ZombiU noch Rayman Legends spielen können, deshalb kann ich rein gar nichts über die WiiU-Steuerung sagen. Ebenfalls konnte ich mir auf Grund der Wartezeiten die Blockbuster The Last Of Us, Resident Evil 6 und das neue Hitman nicht anschauen. Schade, aber auf jeden Fall verschmerzbar. Besonders geschmeichelt hat mir auch die Tatsache, dass ich am Bahnhof auf mein tolles Breaking Bad T-Shirt („Better Call Saul“) aufmerksam gemacht wurde – von einem weiteren Fan der Serie mit „Heisenberg“-Shirt (auch wenn ich nicht direkt verstanden habe, was er von mir wollte. Sorry dafür 😉 ).  Zum Schluss noch ein paar Impressionen.