Zack Snyders neuester Streich

Dieses Review enthält Spoiler zu Comicbüchern, dem Film Man of Steel und den ersten 15 Minuten von Dawn of Justice.

Geliebt, gehasst. Hochgelobt, zerrissen. Zack Snyders dritte DC Comicverfilmung scheidet erneut die Geister und bringt Comic-Nerds, Filmkritiker und Durchschnittskinogänger zum regen diskutieren. Und das schon Tage vor dem offiziellen Release-Termin von Batman v Superman: Dawn of Justice. Die durchaus gemischten Reaktionen in meinem Twitterverse und meiner Filterblase machten mir Sorgen, jedoch hat schon Watchmen gezeigt, dass die konservative Filmkritik nicht im Stande ist eine hervorragende Comicverfilmung zu erkennen wenn sie vor ihnen steht. Ich für meinen Teil habe mir gestern in der Vorpremiere im hiesigen UCI selbst ein Bild gemacht.

Dawn of Justice erzählt die Geschichte von Clark Kent (Superman) und Bruce Wayne (Batman) in den Nachwehen des für Metropolis verheerenden Kampfes von Superman gegen General Zod (Ende von Man of Steel). Unter anderem wurde ein Gebäude von Wayne Enterprises zerstört, was zum Tod hunderter Mitarbeiter, darunter auch enge Freunde von Bruce Wayne, führte. In einer Rückblende sehen wir Bruce Wayne, wie er mitten im laufenden Kampf in Metropolis eintrifft. Machtlos muss er mit ansehen, wie die Stadt zerstört wird.

Doch der Film beginnt mit einer ganz anderen Rückblende: Die Beerdigung von Thomas und Martha Wayne, welche vor den Augen ihres Sohnes während eines Überfalls erschossen wurden. Der junge Bruce Wayne flüchtet tränenüberströmt in den Wald und fällt in ein Loch. Dort – unter hunderten von Fledermäusen – hat Batman seinen Erweckungsmoment. Doch zurück in der Gegenwart – 18 Monate nach den Geschehnissen in Metropolis – sehen wir einen verbitterten und von der Verbrechensbekämpfung gezeichneten Bruce Wayne, der scheinbar viele seiner ehrenhaften Eigenschaften verloren hat. Er brandmarkt Kriminelle mit seinem Logo (was in Gefängnissen einem Todesurteil gleichkommt) und nimmt geringe Kollateralschäden in Kauf. Der Tod von Jason Todd (Robin) durch den Joker scheint ebenfalls schon passiert zu sein – so dokumentiert es zumindest der ausgestellte Anzug. Nach Aussagen von Butler Alfred – gar nicht gebrechlich sondern drahtig und vermutlich Mitte 50 – hängt der Bat-Anzug schon seit einigen Monaten unbenutzt im Schrank.

Als Superman erneut Schlagzeilen macht, weil er Louis Lane aus einem Terroristen-Camp befreit und dabei scheinbar die Bewohner eines Dorfes tötet, wird nicht nur die US Obrigkeit sondern auch Bruce Wayne erneut auf ihn aufmerksam. Die Öffentlichkeit stellt sich vermehrt die Frage, was passiert wenn Superman seine Macht nicht mehr für das Gute einsetzen würde. Unruhen machen sich breit und Demonstrationen werden abgehalten. Senatorin Finch bemüht sich, Superman unter die gleiche Gerichtsbarkeit zu stellen wie sie für alle Menschen gilt. Jedoch hat auch der milliardenschwere Unternehmer Alexander Luthor ein Interesse an Superman und der noch immer auf der Erde befindlichen kryptonischen Technologie. Gerade hat eines seiner Teams ein seltsam grün leuchtendes Mineral aus dem Meer geborgen …

Es entspinnt sich ein Netz von Intrigen, welches die eigentlichen beiden Helden und auch die Öffentlichkeit gegeneinander aufwiegelt und viele interessante Konflikte – sowohl philosophisch als auch handfest – aufbringt. Die Geschichte kann mit vielen Überraschungen aufwarten, besonders die Trailer haben jede Menge Spuren in falsche Richtungen gelegt.

Mir hat der Film sehr gut gefallen. Interessante Themen, technisch einwandfrei und mit monumentalen Kamerabildern umgesetzt. Dazu Unmengen an Anspielungen auf alternative Comic-Interpretationen wie etwa Knightmare Batman. Besonders Ben Affleck als Bruce Wayne / The Dark Knight Returns-Batman ist unglaublich gut und lässt meinen inneren Ruf nach einer Rückkehr von Christian Bale verstummen. War Bales bzw. Nolans Batman noch ein Martial Arts Kämpfer im besten Alter, ist der Batman in Dawn of Justice wesentlich bulliger und wuchtiger. Ebenfalls ganz großartig finde ich Jeremy Irons als einen neu interpretierten Alfred und Jesse Eisenberg als Lex Luthor, welcher gerade zu dem wird, den wir aus den Comics kennen. Der Film scheut sich nicht, sich ernst zu nehmen und konsequent auch die Schattenseiten des Heldentums zu zeigen. Der Humor kommt trotzdem nicht zu kurz, ist aber sorgfältig platziert.

Mit Dawn of Justice soll der Grundstein für ein DC Cinematic Universe gelegt werden, wie es Marvel für sich bereits gestartet hat. Der Film hat also die schwierige Aufgabe, ein spannender Einzelfilm und gleichzeitig Wegbereiter für eine ganze Reihe weiterer Superhelden-Filme zu sein. Der Film hat für mich auf all diesen Ebenen abgeliefert. Snyder selbst wird in den kommenden zwei Justice League Filmen erneut das Kommando übernehmen; weiterhin geplant sind ein bis drei Batman-Filme sowie vermutlich Filme zu den einzelnen Helden wie Wonder Woman, Cyborg und Flash Gordon. Marvel, zieh‘ dich warm an :).