Seit letzter Woche ist der, zumindest von mir, sehnlich erwartete Multiplayer-Shooter einiger ehemaliger Left 4 Dead Entwickler veröffentlicht worden: Evolve von den Turtle Rock Studios. Da Valves Zombie-Shooter noch immer die Referenz in Sachen asymmetrischer Multiplayer ist und meine Eindrücke von der Gamescom 2014 sehr gut waren, erwartete ich da viel. Und nach mittlerweile knapp über siebzig Gefechten kann ich all jene, die angesichts des DLC- und Vorbesteller-Wahnsinns schon die Waffen gestreckt haben, auffordern: Holt es euch, es macht unbeschreiblich viel Spass!

Die Prämisse ist relativ schnell erzählt: Das Spiel ist einige hundert Jahre in der Zukunft angesiedelt; für die Menscheit scheint Raumfahrt kein allzu großes Problem mehr darzustellen und auch weit entfernte Planeten wurden besiedelt. Der erste in Evolve verfügbare Planet (weitere sollen mit der Zeit folgen) ist Shear. Dort haben die Siedler Forschungsstationen und kleine Kolonien errichtet. Jedoch hat dieser Planet ein Problem: Aggressive Monster greifen an und stören das ansonsten friedliche Leben. Ex-„Planetenzähmer“ William Cabot führt eine Gruppe von Kriegsveteranen, Sträflingen, Söldnern und professionellen Jägern an, um diese Monster direkt dort zu jagen, wo sie auftauchen.

Die Jäger werden in vier Klassen eingeteilt und ein Jagd-Team hat von jeder Klasse einen Vertreter: Der Assault teilt Schaden aus, der Trapper kann Spuren lesen und das Monster festsetzen, der Medic kann Gruppenmitglieder heilen und wiederbeleben und der Support unterstützt seine Mitstreiter sowohl in Kampf als auch Monstersuche durch Drohnen oder Schutzschilde. Evolve bietet in seiner jetzigen Version drei Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten pro Klasse an. Den zweiten und dritten Charakter muss man erst durch das Sammeln von Erfahrungspunkten und das Erreichen von diversen Achievements freischalten. Ebenso verhält es sich mit den anfangs vier verschiedenen Monstern. In einem Match tritt folglich ein Team aus vier Jägern gegen ein Monster an.

Shear ist in sechzehn unterschiedliche Karten eingeteilt, jede von ihnen verfügt über spezifische Flora und Fauna und optionale Kartenfeatures. Spielt man mehrere Karten nacheinander (eine sogenannte „Evakuierung“), so werden – je nach Ausgang des vorherigen Matches – etwa automatische Geschütze aktiviert, die Flüsse vergiftet oder Teleportationsportale aktiviert. Diese unzähligen Mutatoren für die Karten spielen sowohl dem Monster als auch den Jägern in die Hände. Nicht jede der Karten ist für alle der vier Spielmodi geeignet: Jagd, Nest, Rettung und Verteidigung. Über die meisten Karten verfügt man im Spielmodus Jagd – dies ist der Standard-Modus, in welchem die Jäger um einige Sekunden zeitversetzt nach dem Monster über dem Gebiet abgelassen werden und die Jagd aufnehmen. Gewonnen hat diejenige Seite, welche zuerst die andere ausgelöscht hat; das Monster kann ebenfalls gewinnen, wenn es Evolutionsstufe drei erreicht hat und das Stromrelais der Karte zerstört.

Die Evolutionsstufen des Monsters sind ebenfalls zentraler Spielbestandteil: Durch das Töten von Tieren des Planeten (oder auch beim Töten von Jägern) erlangt das Monster Evolutionspunkte, mit welchen es beim Stufenaufstieg („Evolve“) eine der vier monsterspezifischen Fähigkeiten für die Dauer des Matches aufleveln kann. Mit jedem Stufenaufstieg steigen ebenfalls maximaler Rüstungswert und Lebenspunkte. Selten vorkommende Tiere lassen ebenfalls Perks fallen, welche sowohl von dem Monster als auch den Jägern aktiviert werden können. Somit kann das Töten von neutralen Tieren auch für die Jäger von Vorteil sein.

Das Spiel setzt sehr stark auf Individualisierbarkeit der eigenen Charakterfertigkeiten. Durch die Benutzung der einzelnen Fähigkeiten (jede Klasse verfügt über vier Stück) sammelt man in ihr Erfahrungspunkte und bekommt spezifische Boni für diese freigeschaltet (etwa mehr Schaden, weniger Streuung, etc.). Durch das Meistern der Fähigkeiten eines Charakters schaltet man weitere Grafiken für sein Profil/Emblem sowie neue Charaktere frei. Auch klassenübergreifend werden Perks freigeschaltet, aus welchen vor dem Beginn eines Matches ausgewählt werden kann.

Das Spiel verfügt für einen Shooter über ein komplexes Gameplay, welches unzählbar viele Spielweisen ermöglicht. Die verschiedenen Charaktere und Monster haben jeweils ihre eigenen Stärken und Schwächen – ich habe noch keine Partie erlebt, die einer anderen auch nur ähnlich war. Jedoch steht und fällt das Spielvergnügen, wie in jedem Spiel dieser Art, mit dem Verhalten seiner Mitspieler. Wo ich bei anderen Team-Spielen nach dem Erreichen der Frustgrenze aber die Maus in die Ecke gepfeffert und das Spiel beendet habe, wechsle ich hier in die Rolle des Monsters. Da bin ich auf niemanden angewiesen.

Ich kann dieses Spiel jedem, der auch nur im geringsten etwas an Left 4 Dead oder Natural Selection gefunden hat, wärmstens empfehlen. Auch Fans von dreckiger Science-Fiction ala Alien oder Dead Space kommen auf ihre Kosten.