lifeiststrange

Ich habe gestern Nacht die erste Episode (von voraussichtlich fünf) des Spiels Life is Strange von Dontnod Entertainment durchgespielt. Sie lässt mich mit einem Gefühl der Sehnsucht auf den nächsten Teil zurück, alles richtig gemacht scheinbar.

Man schlüpft als Spieler in die Rolle der jungen Fotografie-Studentin Max Caulfield, welche nach einigen Jahren in Seattle wieder in ihren alten, verschlafenen Heimatort Arcadia Bay zurückkehrt, um an der örtlichen Blackfield Academy einige Kurse zu besuchen. Sie hat Schwierigkeiten sich in die Studentengemeinschaft einzugliedern, was nur zu einem geringen Teil an ihrer zurückhaltenden, auf andere eigenbrötlerisch wirkenden, Art liegt. Der weitaus größere Grund für ihre Ausgegrenztheit ist ganz klar der völlig verquere Campus: Mobbing scheint an der Tagesordnung, die Mitschüler sind wenig kooperativ und insgesamt scheint es dort vor schrulligen Charakteren nur so zu wimmeln.

Doch es gibt auch Ausnahmen: Zum einen ist dort Warren, ebenfalls ein Neuling an der Academy, welcher sehr an Max interessiert scheint und einen sehr liebenswerten Eindruck macht. Zum anderen trifft man nach wenigen Spielminuten auf Chloe Price, eine Freundin aus Kindheitstagen, welche – trotz gravierender Veränderung in den letzten Jahren – ebenfalls sehr aufgeschlossen auf Max reagiert. Rund um alle Charaktere entspinnt sich schon in dieser ersten Episode ein fein ausgearbeitetes Netz aus Konflikten und Verstrickungen. Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist die Beziehung zwischen Max und Chloe und die grundlegende Einführung aller weiteren Charaktere. Und dann ist da noch eine vermisste Mitstudentin und ein Albtraum, welcher Max seit einiger Zeit plagt und eventuell gar keiner ist …

Neben der charakterzentrierten Story steht die Fähigkeit von Max im Mittelpunkt, die sie in den ersten Spielminuten bei sich entdeckt: Sie kann die Zeit beeinflussen und um einige Sekunden zurückdrehen, um bereits Erlebtes nochmal zu erfahren und ggf. zu ändern. In Kombination mit klassischen Adventure-Rätseln ergeben sich so interessante, zuweilen aber noch sehr durchschaubaure, Kopfnüsse. Positiv hervorzuheben ist, dass bisher vollkommen auf generische Quick-Time-Events oder Entscheidungen unter Zeitdruck verzichtet wurde.

Auch wenn das Spiel Gameplay-technisch nach all den Telltale-Spielen der letzten Zeit und den Titeln aus dem Hause Quantic Dream wenig Neues bietet, so sticht es durch die ernsten Themen innerhalb der Story (Entführung/Mißbrauch in Verbindung mit Pubertät und Adoleszenz) und das detailverliebte, sehr künstlerische Grafikdesign heraus. Wer Adventures mag, auf Mystery steht und mit jungen Protagonisten etwas anfangen kann, dem sei dieses Spiel wärmstens empfohlen :).