In regelmäßigen Abständen schalte ich hasserfüllt die Playstation aus und schwöre mir, sie vorerst nicht mehr an zu machen. Meistens wurde ich vorher von einem Alien erstochen, zerfetzt, gefressen oder zertrampelt. Minütlich steigt jedoch in mir der Wunsch, es noch einmal zu probieren. Zu schön und detailgetreu ist die Raumstation Sevastopol umgesetzt, zu packend das Versteckspiel mit der außerirdischen Bedrohung, wildgewordenen Androiden oder durchgeknallten Besatzungsmitgliedern. Man will schauen wie es weitergeht, man will eintauchen in die ganz eigene „VHS-Science-Fiction“ von Ridley Scott und den Schrecken erfahren, der von H. R. Gigers Xenomorph ausgeht.

AlienIsolation

Alien: Isolation hat weltweit so ziemlich jede Wertung von 50 bis 95 Prozent eingeheimst und wird kontrovers diskutiert. „Zu schwer“, „zu unvorhersehbar“, „unfair“ – das sind Begriffe, die man häufig liest; vornehmlich von Leuten, die hasserfüllt ihre Playstation ausschalten nur um wenig später wieder in die Spielwelt einzutauchen. Dabei bin ich durchaus Spiele gewohnt, die den Spieler dazu zwingen sich zu verstecken und bei Gegnerkontakt zu flüchten (etwa Amnesia: The Dark Descent). Bei Alien: Isolation allerdings ist etwas anders: Die KI des Alien ist unglaublich clever, für den Spieler schwer zu durchschauen und führt zu unterschiedlichen Verhaltensmustern. Das Alien hört nicht nur Geräusche, es erhascht Schatten, bemerkt offene Türen, nimmt Veränderungen in Räumen wahr, schneidet einem den Weg ab und variiert seine Geschwindigkeit (und es kann unglaublich schnell sein, wenn es rennt). Noch dazu kann es in enge Räume (wie etwa Luftschächte) schlüpfen und Türen öffnen.

Um als Spieler dagegen zu bestehen, muss man sein lange gesammeltes Wissen und gemachte Erfahrungen mit den dummen Computergegnern der Vergangenheit vergessen und von völlig neu beginnen. Wenn man das geschafft hat, hat man eine Chance zu bestehen und durchlebt ein echtes Abenteuer auf der einsamen Raumstation. Da das Alien alles andere als inflationär eingesetzt wird, wirken seine Auftritte umso bedrohlicher. Panik bricht aus, wenn es in ohnehin schon ausweglosen Situationen plötzlich aus einem Schacht bricht oder aber der Motion Tracker in einem verlassenen Areal plötzlich anschlägt. Ich habe mich lange nicht mehr so gegruselt. Und geärgert.