Seit wenigen Tagen ist das Mystery-Adventure The Vanishing of Ethan Carter vom Indie-Studio The Astronauts für PC erhältlich (eine PS4-Version ist angedacht) und verschlägt mit seiner Schönheit vielen Spielern weltweit den Atem. Ich habe schon im Gamescom Artikel von diesem Jahr über das Spiel und seine außerordentliche Optik geschrieben, konnte spielerisch allerdings noch nicht allzu viel sagen. Nun habe ich es durchgespielt und kann zusätzlich zur grafischen auch eine spielerisch gute Qualität bescheinigen.

Im Spiel schlüpft man in die Rolle von Paul Prospero, ein Detektiv mit paranormalen Fähigkeiten. Dieser hat zuvor Briefe von einem gewissen Ethan Carter, einem etwa zwölf Jahre alten Kind, bekommen, welcher ihn um Hilfe gebeten hat. Worum es genau geht, erfährt man zunächst nicht. Außer, dass der Junge von Dingen berichtet, die laut Prospero kein Kind zu Gesicht bekommen sollte. Er macht sich auf nach Red Creek Valley, um Ethan zu aufzuspüren und die Geheimnisse, die diesen Ort und vor allem das Anwesen der Carters umgeben, zu untersuchen. Die Inszenierung erinnert an den Serien-Klassiker Twin Peaks oder das Spiel Alan Wake und ist mitunter leicht inspiriert von klassischen Detektiv-Thrillern. Das Erzählen einer packenden Geschichte steht im Vordergrund und das – eigentlich Adventure-typische – Lösen von Rätseln muss sich diesem ganz klar unterordnen. Die Entwickler formulieren es auf der Webseite folgendermaßen:

Inspired by the weird fiction (and other tales of the macabre) from the early twentieth century, The Vanishing of Ethan Carter aims to significantly evolve immersive storytelling in games. While it features a private detective and quite a few mental challenges, The Vanishing of Ethan Carter is not an especially puzzle-ridden game. Our focus is on atmosphere, mood, and the essential humanity of our characters.

Das Spiel wird aus der Ego-Perspektive gespielt und verzichtet vollkommen auf ein ingame Menü oder sonstige HUD-Elemente. Lediglich für die Story relevante Gegenstände und Orte werden mit neutraler, weißer Schrift gekennzeichnet nachdem sie durch den Spieler gefunden wurden. Die Interaktion mit Gegenständen und der Umgebung reduziert sich auf die Benutzung der linken Maustaste: Prospero agiert kontextsensitiv und nimmt so Gegenstände auf, rekonstruiert Tathergänge (durch sehr schön anzusehende, zu Text gewordene und umherfliegende Gedanken) oder spürt Gegenstände auf. Letzteres funktioniert auf die Art und Weise, dass der Name des Gegenstandes mehrmals auf dem Bildschirm an verschiedenen Orten auf flimmert; nähert man sich nun mit dem Mauszeiger dem Ort des Gegenstandes, konzentrieren sich die Worte auf diesen einen Punkt und Prospero kann kurzzeitig an den entsprechenden Ort „schauen“. Wir als Spieler müssen nun auf Grund des Gesehenen den Gegenstand aufspüren. Des weiteren wird man öfters vor die Situation gestellt, Tatorte zu rekonstruieren und Szenen des Tathergangs in die korrekte chronologische Reihenfolge zu bringen. Wie das genau abläuft, sieht man im Video am Ende dieses Blogeintrags.

The Vanishing of Ethan Carter ist alles andere als ein Grafikblender. Es versteckt hinter seiner unvergleichlichen Optik (realisiert durch Anwendung der Photogrammetrie) ein solides und mitunter mit frischen Ideen angereichertes Adventure-Gameplay und eine spannende Story in einer vergleichsweise offen zugänglichen Welt. Eine starke Erzählung, erfrischende Rätsel ohne Gegenstand-Sammelwut und eine düstere Geschichte mit vielen Geheimnissen und spannenden Wendungen – all das bietet dieser Indie-Titel und macht ihn für mich zu einer klaren Kaufempfehlung. Wer sich einen unmittelbaren Eindruck von der Grafik verschaffen will, wird ihn hoffentlich in diesem Video finden. Hier eingebettet nun noch die ersten vierzig Minuten des Spiels: