Das war die Gamescom 2014 (auf den breiten Fotos zu sehen ist der Haupteingang und die unglaublich große League of Legends Bühne); fast eine Woche Wahnsinn hat morgen ein Ende. Wie immer habe ich meinen Sommerurlaub um die Gamescom-Woche herum gelegt und hatte so auch dieses Jahr wieder die Chance die Messe ausgiebig zu verfolgen. Ich habe das ein oder andere heiß erwartete Spiel anspielen und auch einige – mir bisher unbekannte – Perlen entdecken können.



Ganz vorne kommen bei mir natürlich die Adventures (naturgemäß auf der Messe gut versteckt), und da habe ich mit Book of Unwritten Tales 2, Asylum und Dreamfall Chapters direkt drei von mir über Crowdfunding unterstützte Projekte angesehen. Ersteres (Link) hat auf mich den solidesten Eindruck gemacht – die Bremer Entwickler von King Art scheinen seit Teil 1 und den Vieh Chroniken nichts verlernt zu haben. Das Spiel sieht unglaublich stimmungsvoll aus, die Dialoge kamen natürlich und witzig daher und die wenigen gezeigten Rätsel (mit mehreren Lösungsmöglichkeiten!) lassen abermals auf eine sehr gelungene Fantasy-Persiflage hoffen. Asylum von Agustin Cordes ist nach Scratches das zweite größere Spiel des Spaniers (Link). Erst kürzlich hat er mit der Ankündigung, die eigene „Dagon“-Engine und somit auch Asylum komplett in Unity zu integrieren, für einigen Unmut bei den Backern gesorgt. Die Umstellung scheint jedoch rasch voran zu gehen und hat sich technisch auf jeden Fall gelohnt! Das, was den Zuschauern vorgespielt wurde, machte einen wesentlich hübscheren und dynamischeren Eindruck als die bisher zur Verfügung gestellten Backer-Videos. Da mich die Lovecraft-Horror-Thematik seit jeher extrem packt und das Ego-Adventure „Scratches“ mir schon einen wohligen Schauer über den Rücken jagen konnte, bin ich ebenfalls frohen Mutes. Und dann war da noch Ragnar Tornquist mit seinem Studio Red Thread Games und dem Abschluss der Trilogie um April Ryan: Dreamfall Chapters (Link). Der Norweger hat über anderthalb Millionen Dollar über Kickstarter gesammelt und will einen Nachfolger für seine vielfach ausgezeichneten Mammut-Adventures The Longest Journey und Dreamfall: The Longest Journey abliefern. Ich bin ehrlich: Bei mir hat das Projekt einen schweren Stand. Den ersten Teil der Trilogie halte ich für das beste Adventure nach der goldenen Ära des Genres in den neunziger Jahren; es gab bislang sehr wenig von dem Spiel zu sehen, das nun auf der Gamescom gezeigte hat mich technisch nicht überzeugt (sehr detailarm, rucklig) und es wurde angekündigt, den Releasetermin nicht halten zu können und das Spiel daher in mehrere Episoden aufzuteilen. Ich bin gespannt, war aber etwas ernüchtert und hoffe inständig auf eine würdige Fortsetzung. Weitere Adventures die noch genannt werden müssen sind auf jeden Fall Silence: The Whispered World 2 von Daedalic (Link) und das Remake von Gabriel Knight (Link) anlässlich des 20-jährigen Jubiläums (von Jane Jensens noch relativ junger Firma Pinkerton Road Studios). Achja, übrigens, Sierra wurde reaktiviert.

Das meiner Meinung nach schönste und stimmungsvollste Spiel ist übrigens auch ein Adventure (allerdings nicht klassisch Point and Click). Life Is Strange von Dontnod (z.B. Remember Me) ist eine Coming-Of-Age Geschichte, in welcher man in die Rolle der 20 Jahre alten Max schlüpft. Die Fotografie-Studentin kehrt nach fünf Jahren Abwesenheit wieder in ihren alten Heimatort zurück und trifft auf ihre alten Freunde. Diese haben sich allerdings in der Zeit ihrer Abwesenheit charakterlich sehr stark verändert und Max muss sie scheinbar erstmal völlig neu kennen lernen. Als ihre ehemals beste Freundin Chloe vom Verschwinden eines Kommilitonen erzählt, tuen sie sich zusammen, um in dem beschaulichen Heimatdorf Nachforschungen anzustellen. Das Interface und die Steuerung sind sehr minimalistisch und erinnern sehr stark an die Spiele von Quantic Dream (z.B. Heavy Rain) – allerdings ohne die nötigen Gamepad-Akrobatik-Künste. Einen leicht mystischen Touch bekommt die ganze Story als Max erkennt, dass sie die Fähigkeit besitzt, die Zeit bis einige Minuten in die Vergangenheit hinein zu beeinflussen und so für sich zu benutzen. Das Spiel soll laut Aussagen der Entwickler aber nicht ausschließlich auf Krimi und Mystik setzen, sondern vor allem die sozialen und zwischenmenschlichen Probleme der heranwachsenden Max in den Vordergrund rücken. Das gelingt, zumindest in der kurzen Präsentation: Ein Raunen geht durch das gepackte Publikum, als Max im Streit mit ihren Eltern eine Ohrfeige verpasst wird. Das Spiel scheint ein echter Geheimtipp der Messe zu sein. Hier eine kurze Präsentation des Spiels.

Auch bei den großen Blockbustern gab es Titel, die ich mir anschauen konnte. Allen voran sind da Bloodborne von From Software (Trailer) und The Evil Within, dem neuen Projekt von Shinji Mikami (Resident Evil; Gameplay). Das Art Design von Bloodborne finde ich einfach unwiderstehlich – Dark Fantasy kombiniert mit viel Klingen und Schußwaffen. Grandios. Nach der kurzen Anspielsession macht sich bei mir allerdings die Vermutung breit, dass es sich gar nicht – wie bei den Vorgänger-Projekten – um ein Rollenspiel handelt. Von Aufleveln, Ausrüstungsgegenständen oder Inventar war keine Spur zu sehen. Auch das gesamte Gameplay wirkt wie ein Devil May Cry oder Metal Gear Rising: Revengeance in Slow Motion. Man muss immer in Bewegung bleiben, ausweichen (abwehren ist nicht möglich) und geschickt zuschlagen bzw. schießen. Auch Kämpfe gegen größere Gegnergruppen scheinen keine Seltenheit zu sein. Die vielfältig zusammensteckbaren Klingen-Gewehr-Kombinationen machen aber einiges her. Ich freue mich drauf – ebenfalls auf das neue Spiel von Tango Gameworks: The Evil Within. Spielbar war in dem Third-Person-Survival-Horror-Spiel ein (vermeintlich) komplettes Kapitel aus der Vollversion. Das waren fast 45 Minuten! Beim persönlichen Anspielen war ich direkt von der Stimmung gepackt: Man ist unterwegs in einem Herrenhaus, was teilweise frappierend an das aus dem ersten Resident Evil Teil erinnert (was die Spielfigur auch mit einem „Das kommt mir bekannt vor, ich sollte mich hier etwas umsehen“ kommentiert). Die Kamera hängt dicht über dem Protagonisten, schwarze „Filmstreifen“ oben und unten beschränken das Sichtfeld weiter. Die Beleuchtung ist das, was am meisten ins Auge fällt; Schattenspiele überall in der Spielwelt, bedrohliches Schummerlicht und verschieden refelektierende Oberflächen. Sehr schön. Der Grusel kommt außerdem nicht nur aus dumpfen Jump-Scares, sondern baut sich langsam immer weiter auf – Soundkulisse, Schatten und Story entwickeln schon nach wenigen Minuten eine Sogwirkung.

In dem Zusammenhang hat mich auch die Ankündigung eines neuen Silent Hill Spiels mit dem Titel Silent Hills sehr gefreut. Die Namen versprechen viel: Regisseur Guillermo del Toro und niemand geringeres als Hideo Kojima tuen sich zusammen, um der schwächelnden Reihe einen neuen Anstrich zu verpassen. Der Protagonist wird von Norman Reedus verkörpert (z.B. Darryl aus Walking Dead oder Murphy MacManus aus Boondock Saints); hoffentlich wird das nicht einfach nur ein Publicity Stunt fürs Cover und das Spieler-Modell. Die schon jetzt auf der Playstation 4 anspielbare Teaser-Demo mit dem Titel P.T. lässt aber auf etwas richtig Großes hoffen. Grafik und Klangkulisse (habe es mit meinem 7.1 Headset gespielt) machen es fast unmöglich, das alleine in einem dunklen Raum zu spielen :-O. Hier kann man sich einen Eindruck verschaffen.

Ebenfalls sehr packend – aber bockschwer – beim Anspielen war Alien: Isolation bei Sega. Nach einer kurzen Einleitung vom Creative Lead Alistair Hope – welcher uns kurz den Bewegungs-Tracker und defensives Spielen näher brachte – und der Präsentation der Trailer ging es für mich an die Playstation 4 (XBox One und PC war ebenfalls möglich). Ziel auf der Map war es, einen Aufzug zu erreichen und auf dem Weg dahin dem Alien auszuweichen. Ich habe es nicht geschafft, zu clever hat sich das Alien angestellt: Es hört einen, schleicht sich an und täuscht Laufwege vor während es auf der Jagd ist. Trotz der lauten Kulisse ging mein Puls in die Höhe, als es mich unter einem Schreibtisch gefunden hat. Da blieb nur, den Flammenwerfer leer schießen und die Beine in die Hand nehmen, z.B. ab in einen Lüftungsschacht und hoffen dass das Alien die Spur nicht verfolgen kann. Wirklich grandios. Aus einigen Podcasts weis ich, dass man das wohl auch mit der Oculus anspielen könnte – vor lauter Anspannung wohl kaum auszuhalten. Hier gibt es das Level im Video.

Spiele, die ich vorher absolut nicht auf dem Schirm hatte, die aber mein weiteres Interesse geweckt haben sind No Man’s Sky, Evolve und Project Cars. No Man’s Sky (Link) wird von einem zehnköpfigen Team entwickelt und vereint ein theoretisch endlos großes Universum mit prozedural erzeugten Planeten mit Exploration- und Survival-Gameplay. Als Spieler erkundet man fremdartige Planeten, erforscht örtliche Flora und Fauna und reist mit seinem Raumschiff schließlich weiter. Der eigentlich Sinn oder das eigentliche Spielziel? Ich habe keine Ahnung und auch die Macher wollten in der Pressekonferenz nicht wirklich eine Antwort geben. Wenn ich allerdings daran denke, wie ich damals bei Morrowind ziellos umhergestreift bin ohne mit der Spielwelt in Interaktion zu treten, könnte mich auch das zeitweise fesseln. Aber zugegeben: Das Spiel interessiert mich vor allem aus technischer Sicht. Das zweite genannte Spiel – Evolve – kommt von den Turtle Rock Studios, einem Indie Studio, welches vor einigen Jahren von Valve für Left 4 Dead akquiriert wurde nun aber wieder eigenständig agiert. Bei diesem Multiplayer-Spiel schlüpft ein Spieler in die Rolle eines übermächtigen Monsters und muss es mit einem Team aus anderen Spielern aufnehmen. Es gibt verschiedene Monsterarten zum Spielen, sowie diverse Charakterklassen für das Koop-Team. Das Science-Fiction Setting hebt dieses Spiel von Left 4 Dead (was meiner Meinung nach in Grundzügen durchaus vergleichbar ist) ab und bringt frischen Wind in das Koop-Shooter-Genre. Trailer und Gameplay-Videos versprechen eine Menge Action – allerdings steht und fällt ein solches Spiel mit der Qualität der Maps, der langfristigen Balance und der Community, sodass ich mir hier noch kein Urteil erlauben will. Das Anspielen hat aber unendlich viel Bock gemacht. Project Cars (Link) ist ein neues Rennspiel-Projekt von ehemaligen Grid Programmierern. Grafik, Fahrphysik und Umsetzung der Strecken (Hockenheimring und Imola habe ich gespielt) haben mich direkt gepackt. Allein aus Neugier wird es für mich ein garantierter Kauf; da ärgere ich mich glatt ein wenig, bisher nur The Next Car Game gekannt und unterstützt zu haben.

Titel, die ich mir gerne länger angeschaut hätte, es aber zeitlich nicht oder nur kurz geschafft habe, sind:

  • Metal Gear Solid V: The Phantom Pain (laut Presse-Coverage grundsolide und mit jeder Menge Humor; außerdem war Hideo Kojima himself vor Ort!)
  • Witcher 3 (Grafisch beeindruckend, spielerisch laut Presse ebenfalls. Es gab wohl eine knapp einstündige Präsentation, aber die Schlangen waren leider viel zu lang.)
  • Until Dawn (Laut Presse ein richtiger Geheimtipp für die Playstation 4.)
  • Civilization: Beyond Earth (Werde ich mir sowieso holen.)
  • The Order 1886 (Kritische Stimmen wurden laut; böse Stimmen reden von einem belanglosen Deckungs-Shooter.)
  • Quantum Break (Auch in der Presse bisher nur sehr verhalten besprochen.)
  • Sims 4 (Das Spiel selber gab es nur in Form eines Videos, nur der Charaktereditor war spielbar. Dafür stelle ich mich nicht an.)
  • Batman: Arkham Knight (Das auf dem Großbildschirm gezeigte Gameplay-Material zeigte mehr vom gewohnt Guten und zwar Open World. Nehm‘ ich!)
  • Lords of the Fallen (Dark Souls aus Deutschland. Macht soliden Eindruck. Werde ich mir ansehen. Gameplay.)

Auf Grund der schieren Masse kann ich einfach nicht über alle Spiele schreiben. Auf Grund privater Präferenzen habe ich mir die Xbox One exklusiven Titel und den Microsoft- und Nintendo-Stand nicht näher angeschaut, auch EA und Blizzard habe ich bewusst größenteils außen vor gelassen. Letzteres allerdings nur, weil es diesmal nicht viel neues gab. Nichts gegen Blizzard – allein die Weltpremiere des Intros von Warlords of Draenor hat mir beim Anblick des Dunklen Portals eine Gänsehaut verpasst. Außerdem habe ich mir Sonys Morpheus (Video) nicht angeschaut – einen ausführlichen VR-Artikel will ich liefern, sobald mein DevKit2 der Oculus Rift in den nächsten Wochen angekommen ist :). Manche Spiele habe ich auch einfach nicht gefunden: Star Citizen und Syberia 3 blieben mir beispielsweise deshalb verwehrt.

Zuletzt noch ein Paar von mir gemachte Beobachtungen:

  • Gefühlt arbeitet so ziemlich jede Firma an einem Moba, in der Hoffnung League of Legends und Dota 2 einen Stück vom Kuchen abnehmen zu können.
  • Schwarze Balken oben und unten sind ein Must-Have für „filmisches Erleben“ im Spiel und haben keinesfalls mit eingesparten Hardware-Ressourcen zu tun (*zwinker*).
  • Der PC als Gaming Plattform ist wieder in aller Munde.
  • Mit „Seamless Multiplayer“ gewinnt man dieses Jahr garantiert jedes Buzzword-Bingo auf Präsentationen.
  • Q-Games hat das vermutlich verstörendste Projekt der Gamescom im Portfolio gehabt ;-).
  • Wenn ich sehe, was man für alte Komplettlösungsbücher so auf der Messe bezahlt bekommt (z.B. Final Fantasy X für 98 Euro), sollte ich meine kleine Sammlung auflösen und in den Ruhestand gehen.

Das größte Problem der Gamescom ist nach wie vor der riesige Andrang und große Menschenmassen. Einzig am Fachbesuchertag waren die Wartezeiten an den Ständen einigermaßen akzeptabel, auch wenn man dort anderthalb bis zwei Stunden für Spiele anstehen musste (z.B. ich bei The Evil Within). Außerdem sind zehn Euro für einen Parkplatz an der Messe und elf Euro für eine Frikadelle mit Pommes meiner Meinung nach unverschämt. Allerdings hat sich die Messeleitung und die Security diesmal wirklich ein Lob verdient: In und zwischen den verschiedenen Hallen wurden die Menschenmassen frühzeitig sehr gut über die äußeren Höfe und Seitentreppen gelenkt – ein massives Engegefühl kam bei mir dieses Jahr gar nicht auf.

Abschließen möchte ich nun aber mit ein paar bekannteren Leuten, die ich getroffen habe und – Fanboy wie ich bin – direkt mal um Fotos gebeten habe :).

dner sarazar